Ahrensburger Zeitung vom 16.5.1987
VfL Oldesloe: Fast eine Bankrotterklärung der Handhaller
Sportliche Mißerfolge und Ärger ums Geld

Jürgen Dorn mußte einen schweren Gang antreten. Zum 23. Mal in seiner Amtszeit als Handballabteilungsleiter des VfL Oldesloe stellte sich Dorn vor eine Mitgliederversammlung, und noch nie hatte er seinen Handballern so viel Unerfreuliches zu verkünden. Sportliche Mißerfolge, mangelnde Zusammenarbeit in der Abteilung und finanzielle Verluste sorgten für Zündstoff. "Es war fast eine Bankrotterklärung der Abteilung", sagte ein VfL-Mitglied.

Die ersten Damen aus der Regionalliga, die ersten Herren aus der Bezirksliga abgestiegen. die zweiten Herren in der Kreisliga noch nicht gesichert, das waren die sportlichen Rückschläge. Doch auch an den Erfolgen hatte der VfL keine rechte Freude.

Die weibliche A-Jugend schloß in der Oberliga als Dritter ab, aber künftig wird es keine VfL-A-Jugend mehr geben. Mangel an Spielerinnen und Trainer (Jörg Fischer trainiert die Damen) führten dazu, daß der VfL den Oberligaplatz als Startkapital in eine Spielgemeinschaft mit dem SC Rönnau und TSV Berlin einbringt.

Die zweiten Damen wurden Kreisligameister, verließen dann aber komplett den Verein, so daß der VfL nicht an der Aufstiegsrunde zur Bezirksklasse teilnehmen konnte. "Ich sehe auch nicht, welche Mannschaft in der kommenden Saison in der Kreisliga spielen soll", sagt Jürgen Dorn. "Vom Verhalten von Trainer und Spielerinnen bin ich sehr enttäuscht."

Kritisiert wurde von Mitgliedern vor allem die Vereinbarung einer Spielgemeinschaft in der weiblichen Jugend. "Es ist das Ende einer eigenständigen Jugendarbeit im VfL", befürchtet ein früherer Damentrainer.

"Eine selbständige Oldesloer Jugend müßte später in der Kreisklasse wieder anfangen." B-Jugendtrainer Siegfried Plambeck betont: "Wir hätten es auch allein geschafft. Wenn nicht in der Oberliga, dann wenigstens in der Bezirksliga." Für Jürgen Dorn ist hingegen ganz klar: "Ich kann mir weder einen Trainer noch die fehlenden Spielerinnen für ein Team schnitzen."

Für Unruhe sorgten auch die finanziellen Verluste der Abteilung, bedingt durch einen katastrophalen Rückgang der Zuschauerzahlen. Dauerbrenner in der Oldesloer Handballabteilung ist die mangelnde Zusammenarbeit in der Abteilung. Zahlreiche Posten im Vorstand sind unbesetzt, es fehlt an Trainern und vor allem an Schiedsrichtern.

Nach den neuen Beschlüssen des Kreishandballverbandes droht dem VfL die Zwangsabmeldung von Mannschaften, sollten nicht mindestens sechs Schiedsrichter gestellt werden.

Einige neue Mitarbeiter hat Jürgen Dorn gewonnen, doch der Abteilungsleiter ist skeptisch geworden. "Reden und Handeln ist beim VfL zweierlei. Wieviele Spielerinnen haben mir vor der Saison versprochen, dass sie bei uns bleiben und sind anschließend doch gegangen", meint Dorn. "Mich hat man ja wiedergewählt, und ich habe mir vorgenommen, die Krise zu bewältigen. Es müssen aber alle Beteiligten gemeinsam mitziehen. Der VfL ist keine Plattform für Privatfehden. Es wird nur besser, wenn sich bei einigen Leuten die Grundeinstellung ändert."

TORSTEN FLOMM

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