Die Pläne des VfL Oldesloe für die neue Handball-Saison:


Mit Sorgen in die zweite Liga

Kaum ist Claus Schilk, Trainer der Handball-Damen des VfL Oldesloe, von der Kur zurück, saß der "Handballsüchtige" schon in Bremen auf der Tribüne und schaute sich das Meisterschaftsfinale zwischen dem TuS Walle Bremen und Lok Leipzig an. So ganz nebenbei sprach er mit den Verantwortlichen des deutschen Meisters Walle Bremen über ein mögliches Gastspiel in Bad Oldesloe. "Die wollen richtiges Geld sehen", staunte Claus Schilk und schätzt die Chancen für ein Freundschaftsspiel eher gering ein.

Der schnöde Mammon und die neue Staffeleinteilung der 2. Bundesliga läßt den Trainer, der sich auch um die organisatorischen Belange kümmert, sorgenvoll in die Zukunft blicken. "Allein der Kostenvoranschlag für die Busfahrten beläuft sich auf 9.000 DM", stöhnte Schilk. Respekt hat das Aufsteiger-Team vom VfL Oldesloe besonders vor den langen Anfahrtswegen. Der weiteste Weg führt zum BSV Frankfurt/Oder (fast 300 Kilometer), aber auch die Fahrt zu den fünf anderen ostdeutschen Klubs (SG Fiko Rostock, SV GrünWeiß Schwerin, SV Neubrandenburg, Motor Henningsdorf und SG Empor Brandenburger Tor) wird viel Zeit in Anspruch nehmen.

Im Nordwesten Deutschlands muß sich der VfL Oldesloe mit folgenden Gegnern auseinandersetzen: TSV Jarplund-Weding, Holstein Kiel, Hastedter TSV Bremen sowie den beiden Hamburger Vertretern TuS Alstertal und TH Eilheck. Reisen wird das VfL-Team künftig per Bus. "Mit Pkws ist das einfach zu anstrengend", so Schilk, "außerdem verpflichtet uns das Reglement geradezu, öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch zu nehmen." Denn bei Verspätungen oder Nichterscheinen zu einer Begegnung kann ein Nachholspiel nur beantragt werden, wenn die betroffene Mannschaft keinerlei Schuld am Zuspätkommen trifft. Eine verhinderte Anreise in Privatautos würde aber automatisch als Niederlage gewertet werden.

Was den VfL-Coach besonders wurmt: Die anderen Vereine erhalten von Gemeinden und Städten zum Teil erhebliche Fahrtkostenzuschüsse. "Die Stadt Hamburg erstattet TuS Alstertal und TH Eilbeck die kompletten Reisekosten", so Claus Schilk, "aber wir erhalten von der Stadt Bad Oldesloe keinen Pfennig." In einem anderen Punkt sind sich der VfL Oldesloe und die Stadtverwaltung allerdings einig: Drei Reihen zusätzlicher Sitzplätze in der Stormarnhalle sind für die kommende Bundesliga-Saison genehmigt. "Da hat die Stadtverwaltung ganz unbürokratisch geholfen", lobte Schilk die Behörden. Mit gemischten Gefühlen blickt der VfL Oldesloe trotz erheblicher Verstärkungen auf die sportliche Zukunft. "Es geht von Anfang um den Klassenerhalt, das wird ein ganz harter Abstiegskampf", prophezeit Schilk.

Der Grund: Die neue Zweiteilung der 1. Bundesliga, die wegen der Eingliederung der ostdeutschen Vereine erfolgte, hat nur für eine Spielzeit Bestand, von der Saison 1992/93 an wird es nur noch ein Oberhaus geben. Das aber bedeutet: Von den 60 Mannschaften (24 Mannschaften in der 1. Bundesliga, 36 in der 2. Bundesliga) der Saison 1991/92 werden nur 48 übrigbleiben. Zwölf Zweitliga-Teams müssen wieder in die Regionalliga absteigen. Eine kompliziertes Verfahren, doch Trainer Schilk hat schon gerechnet und ist zu folgendem Ergebnis gekommen: "Wir müssen unter die ersten Sechs kommen."

Ahrensburger Zeitung vom 1.6.1991

Handball: Sponsor ermöglicht einmaliges Gastspiel
Spartak Kiew trifft auf Oldesloer Damen

Das ist eine Sensation. Die Handball-Damen des VfL Oldesloe treten vor ihrer ersten Saison in der zweiten Bundesliga gegen das beste Frauenteam aus Europa an. Der russische Europapokalsieger von Spartak Kiew (im Pokalwettbewerb) kommt im September nach Stormarn und will gegen den VfL Oldesloe ein Freundschaftsspiel bestreiten. Ermöglicht hat dieses im Frauen-Handball für Norddeutschland einmalige Treffen der VfL-Sponsor Glaxo. Das Oldesloer Pharmaunternehmen übernimmt ade Kosten für das Freundschaftsspiel, das allerdings am Dienstag, 10. September, in der Lübecker Hansehalle ausgetragen wird.

Vor zwei Tagen konnten die Zweitliga-Aufsteigerinnen ein Testspiel gegen den Oberligisten Eintracht Lüneburg deutlich mit 30:13 gewinnen. "Das Ergebnis spielt keine Rolle", sagte Trainer Claus Schilk, "das Spiel lief unter dem Motto just für fun." Überhaupt dienen die Begegnungen hauptsächlich der Integration der neuen Spielerinnen. Obwohl gegen Lüneburg nur Ulrike Rüther, Marion Werner und Birte Stooß dabei waren. Die elffache Juniorennationalspielerin Birte Stooß, die schon Bundesliga-Erfahrung beim TuS Alstertal gesammelt hat, wird aller Voraussicht nach den VfL verstärken.

Sie ist bereit, sich zu quälen

Jahrelang war Babette Bischof als Leistungsträgerin aus dem Damen-Handballteam des Bezirksligisten Eintracht Groß-Grönau nicht wegzudenken. Angebote aus der Regional- und Oberliga hatte die 25jährige Rückraumspielerin mit schöner Regelmäßigkeit abgelehnt. "Es hat mich nie gereizt, meinen Heimatort zu verlassen", so die Bankkauffrau aus dem Lübecker Vorort. Doch nach 14 Jahren kehrt sie nun Eintracht Groß-Grönau den Rücken und wechselt in die zweite Bundesliga zum VfL Oldesloe.

"Jetzt will ich es noch einmal richtig wissen", sagt die 25jährige, "für die Bundesliga bin ich bereit, mich zu quälen." Beim VfL Oldesloe will sich Babette Bischof durch besonderen Einsatz für einen Stammplatz empfehlen. "Trainingsfleiß ist eine meiner Stärken", sagt sie. Doch die Konkurrenz beim VfL Oldesloe ist größer geworden, mit Melanie und Stefanie Bernecker und den Neuzugängen Roswitha Bein und Ulrike Rüther stehen noch noch vier weitere Kandidatinnen auf den Rückraum-Positionen zur Verfügung. “In der zweiten Bundesliga brauchen wir einen großen, möglichst gleichwertigen Kader", rechtfertigt Trainer Claus Schilk seine "Einkaufspolitik".

"Noch habe ich Schwierigkeiten, meine Leistungsstärke innerhalb des Teams richtig einzuschätzen", sagt Babette Bischof nachdenklich, erst wenige Male hat sie bisher mit ihren neuen Mitspielerinnen zusammen trainiert. Doch die Kreisauswahl-Spielerin läßt keinen Zweifel daran, daß sie sich durchbeißen will: "Der Abschied aus Groß-Grönau fällt nach den vielen Jahren zwar sehr schwer, aber alle haben viel Verständnis gezeigt, daß ich in der Bundesliga spielen möchte." Ein Hobby muß sie wohl zugunsten des Handballs ganz aufgeben - das Tennisspielen. Der Zeitaufwand (dreimal wöchentlich Training) ist wohl zu groß. Besonders beeindruckt zeigte sich die 1,80 Meter große Rückraumschützin von der trickreichen Spielweise der ungarischen Nationalspielerin Zsuzsa Nyari: "Mit Zsuzsa in einer Mannschaft zu spielen, das hat schon was."

Ahrensburger Zeitung vom 15.6.1991

Medizinmann Brodersen
Ratzeburger Sanitäter beim VfL Oldesloe

Jens-Uwe Brodersen ist nicht zu übersehen. Wenn die Handball-Damen des VfL Oldesloe neben ihrem Betreuer auf der Auswechselbank sitzen, wirken sie allesamt klein und zierlich. "Ein Zwerg bin ich nicht gerade" sagt der 1,93 Meter große und 130 Kilogramm schwere Sanitäter lachend.

Seit Mitte der vergangenen Saison kümmert er sich um die Verletzungen und kleinen Wehwehchen der VfL-Handballerinnen. "Ich bin überrascht, wie robust die Spielerinnen sind, Fußballer jaulen wesentlich mehr herum". lobt Jens-Uwe Brodersen die physische Verfassung seiner Schützlinge. Die Versorgung von Verletzungen ist sein Handwerk, schließlich ist er gelernter Sanitäter beim Bundesgrenzschutz in Ratzeburg. Dort wohnt der 32jährige alleinerziehende Vater auch, gemeinsam mit seinem Sohn Folke (9) und seiner Tochter Rike (8). "Meine Kinder finden es prima, wenn sie beim Handball mit auf der Bank sitzen", sagt Brodersen.

Zum Handball kam der Jugendfußball-Trainer zufällig. Sein Arbeitskollege Harald Schäfer, der sich beim VfL Oldesloe um die Pressearbeit kümmert, hatte ihn überredet. "Vorher hatte ich Frauen-Handball noch nie live gesehen", so Jens-Uwe Brodersen, "aber das schnelle Spiel und die gute Stimmung hat mir gefallen. Noch wichtiger war aber die harmonische Atmosphäre im Team, beim VfL Oldesloe paßt alles zusammen." Auch in der 2. Bundesliga will Jens-Uwe Brodersen dem VfL Oldesloe die Treue halten. Ohnehin legt er monatlich rund 1000 Kilometer in Sachen Sport zurück, denn nebenbei ist er auch noch Trainer der E-Jugendmannschaft beim SV Breitenfelde, in der Sohn Folke kickt. Hauptberuflich ist dem sportbegeisterten Sanitäter allerdings schon manchmal die Freude am Fußball vergangen. Er wurde schon einige Male zu Einsätzen bei Fußballspielen der Oberliga-Nordost abkommandiert. "Solche harte Hooligan-Szene wie bei Hansa Rostock oder in Dresden habe ich noch nie erlebt", sagt Brodersen.

Bei seinen freiwilligen Handballeinsätzen in der Stormarnhalle geht es viel gemäßigter zu, denn trotz der manchmal hitzigen Atmosphäre blieb das Publikum immer sportlich und friedlich. Wundschnellverbände, Klebepflaster und kühlende Eisbeutel finden aber bei den Spielerinnen reißenden Absatz., "bei aller Härte geht es meistens recht fair zu", so Jens-Uwe Brodersen.

Ahrensburger Zeitung vom 10.7.1991

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