Mittwoch, 28. Mai 1980
1. Finale doch in Berlin.

(mth) Der Deutsche Handballbund hat den Terminplan für die beiden Endspiele um die Deutsche Meisterschaft der weiblichen Handball-A-Jugend umgeschmissen. Wie VfL-Trainer Ulli Meyer heute morgen aus Dortmund, dem Sitz der DHB-Zentrale, erfuhr, findet das Hinspiel am kommenden Sonntag nun doch nicht wie ursprünglich angesetzt in Bad Oldesloe, sondern in Berlin statt. Austragungsort ist um 11 Uhr die Sporthalle in der Soemmeringstraße im Stadtteil Charlottenburg. Die Reinickendorfer Füchse kommen dann eine Woche später zum Rückspiel, in dem dann die endgültige Entscheidung fallen wird, nach Bad Oldesloe.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.5.1980

 

Freitag, 30. Mai 1980
Am Sonntag erstes Endspiel in Berlin. Die VfL-Mädchen tragen Favoritenbürde. Bei den Reinickendorfer Füchsen wollen sie sich eine gute Ausgangsposition schaffen.

(mth) Auf Hochtouren ist in dieser Woche in der Handballabteilung des VfL Oldesloe gearbeitet worden. Ursache war – natürlich – das erneute Erreichen des Deutschen Meisterschaftsfinales der weiblichen A-Jugend. Besonders viel Arbeit machte dabei die kurzfristige Verlegung des Hinspiels, das ursprünglich für die Stormarnhalle in Bad Oldesloe vorgesehen war, nach Berlin.

Im Endeffekt kommt dem VfL diese Verlegung sicher entgegen, denn es kann eigentlich nur von Vorteil sein, das Rückspiel eine Woche später, in dem dann die endgültige Entscheidung fallen muß, in eigener Halle und mit Unterstützung des eigenen Publikums bestreiten zu können, aber für die Organisation einer Berlinreise mit so kurzer Frist tauchten natürlich Probleme auf.

Die Beschaffung eines ansprechenden Quartiers und entsprechender Fahrgelegenheiten war nicht ganz einfach und schließlich mußten ja auch die Papiere für reinen Transfer durch die DDR in Ordnung sein, denn bei den dortigen Behörden drückt man schließlich auch für einen amtierenden Deutschen Meister kein Auge zu, aber mit vereinten Kräften haben Manfred Fandrey, der so etwas wie „Manager“ der erfolgreichen VfL-Truppe ist, und Trainer Ulli Meyer alle Probleme bewältigt, so daß die Mannschaft morgen früh um 7 Uhr von der Jugendherberge im Bürgerpark aus zuversichtlich die Reise in die ehemalige deutsche Hauptstadt antreten kann.

Organisatorisch jedenfalls sollten keinerlei Schwierigkeiten mehr auftauchen, und daß die Mannschaft um Mannschaftsführerin Antje Schütt sportlich fit und gut vorbereitet ist, hat sie ja in den letzten Wochen mit vielen Glanzleistungen bewiesen. Der sportliche Teil der Vorbereitungen lief beim VfL dann auch gänzlich im üblichen Rahmen ab. Am Mittwoch und Donnerstag nahm Trainer Ulli Meyer seine Schützlinge im Training jeweils für eineinhalb Stunden hart ran.

Keinerlei Probleme hat der Erfolgscoach des VfL in personeller Hinsicht. Alle seine Stammspielerinnen sind gesund, so daß er am Sonntag um 11 Uhr in der Sporthalle Charlottenburg in der Soemmeringstraße in Berlin 10 seine Bestbesetzung aufbieten kann und alle diejenigen, die die Mannschaft in den letzten Wochen und Monaten regelmäßig beobachtet haben, sind sicher, daß Andrea Güldenpfennig und Co. ihr Bestes geben werden.

Die Mannschaft muß sich dabei darüber im Klaren sein, daß sie in die Endspiele in diesem Jahr keineswegs als Außenseiter geht, obwohl ihr diese Rolle eigentlich mehr behagt. Nach den großartigen Leistungen in den letzten Spielen und als Titelverteidiger zumal, trägt sie die Favoritenbürde.

Hinzu kommt, daß der VfL den Berliner Meister, die Reinickendorfer Füchse, im letzten Jahr in der Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft sicher ausgeschaltet hat.

Aber gestern ist nicht heute und niemand im Lager des VfL hat irgendeinen Grund, die Berliner Mädchen zu unterschätzen. Die Reinickendorfer Füchse, davon haben sich die Oldesloer Mädchen am Tag vor ihrem Halbfinalrückspiel in Oberlahnstein persönlich in Krofdorf-Gleiberg (bei Gießen), wo der Berliner Meister mit einem 7:4-Sieg über den Südwestmeister den Einzug ins Finale perfekt machte, überzeugen können, haben in diesem Jahr eine weit stärkere Mannschaft zur Verfügung als 1979.

Die Stärken der Berlinerinnen liegen in einer großen mannschaftlichen Geschlossenheit und bei Tempogegenstößen. Unbezwingbar allerdings erscheinen die Berlinerinnen, bei denen sich fast alles um Heike Hass dreht, nicht zu sein. Ihr Spiel beim Südwestmeister Krofdorf-Gleiberg offenbarte auch gewisse Schwächen und wir sind sicher, daß VfL-Trainer Ulli Meyer daraus die richtigen Schlüsse gezogen hat und seine Mannschaft entsprechend einstellt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.5.1980

2.6.1980 (ST) - Noch ist nichts verloren
8:9 - Die VfL-Mädchen wachten erst in der zweiten Halbzeit auf

Im ersten Endspiel in Berlin drohten dem VfL alle Felle wegzuschwimmen, aber noch ist die Titelverteidigung möglich

Die Spielerinnen der weiblichen Jugend A des VfL Oldesloe waren eigentlich durchweg optimistisch in das erste Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den Berliner Meister, die Reinickendorfer Füchse, in der Sporthalle Charlottenburg, gegangen. Sie unterschätzten ihren Gegner zwar nicht, aber im Vertrauen auf das eigene Können und die zuletzt so guten Leistungen glaubte man, das Kind "schon schaukeln zu können". Auch bei den Stormarner Fans, die immerhin rund ein Viertel der gut 200 Zuschauer ausmachte, herrschte Zuversicht vor.

Zur Halbzeit gab es bei Spielerinnen und Anhang dann aber gleichermaßen lange Gesichter. Der amtierende Meister hatte überhaupt nicht zu seinem Spiel gefunden und lag mit 4:7 doch schon echt deutlich im Rückstand. Das war allen klar, dieses Ergebnis würde dem Team für das Rückspiel kaum noch eine reelle Chance auf eine Titelverteidigung lassen.

Aber zu den Tugenden des jungen Teams gehören gottlob die Fähigkeit, niemals aufzustecken, und das Vermögen, sich gerade in Situationen, in denen es mit dem Rücken zur Wand kämpft, zu konzentrieren und zu steigern. Eine solche Leistungssteigerung war im zweiten Spielabschnitt aber auch nötig, um die am Ende doch nicht ganz zu verhindernde Niederlage mit 8:9 in einem rahmen zu lassen, der für das Rückspiel noch alle Möglichkeiten offen lässt.

An dem Sieg der Berlinerinnen gibt es nichts zu deuteln. Aufgrund der der großartigen Leistung in der ersten Halbzeit, als die Mannschaft mit ihrem hervorragenden Laufspiel und ihrem hohen Tempo glänzte, geht der Sieg in Ordnung. Für den VfL aber bricht mit dieser knappen Niederlage die Welt nicht zusammen. Unabhängig davon, dass die prächtige Truppe ohnehin schon viel mehr erreicht hat, als man von ihr erwarten konnte und durfte, ist sie im Rennen um die deutsche Meisterschaft noch keineswegs ausgeschieden.

Über eines ist man sich beim VfL im Klaren. Ein "Kinderspiel" wird das Rückspiel in der Stormarnhalle auf gar keinen fall. Die Berlinerinnen besitzen ein so homogenes Team, das sich auch i Bad Oldesloe zur Wehr setzen weiß, und es wird ein hartes Stück Arbeit für den VfL geben, wenn der Deutsche Meistertitel an der Trave bleiben soll.

Im Hinspiel in Berlin am Sonntagvormittag dauerte es bis zur sechsten Minute, ehe der erste Treffer fiel. Janina Nasner erzielte ihn für die Berlinerinnen und Carola Schmalbein ließ diesem Treffer noch in derselben Minute mit einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß das 2:0 folgen. Für den VfL, der bis dahin noch gar nichts Rechtes zuwege gebracht hatte, musste man bei diesem Spielstand schon ernsthaft fürchten, aber als dann Andrea Güldenpfennig und Susanne Paetz innerhalb von zwei Minuten auf 2:2 ausgeglichen hatten, schien doch wieder - aus Sicht des VfL - seinen "normalen" Gang zu gehen.

Auch wenn weiterhin bei den Oldesloerinnen nicht viel zusammenlief, schockte der Treffer zum 3:2 für die Berlinerinnen eigentlich nicht so sehr, aber dann kam es für die Mädchen um Mannschaftsführerin Antje Schütt dann doch ganz schön dick. Zunächst hatte Andrea Güldenpfennig mit einem Wurf an das Lattendreieck Pech, anschließend scheiterte die gleiche Spielerin, die an ihrem 17. Geburtstag nicht sonderlich vom Glück verfolgt war, mit einem 7m an der ausgezeichneten Berliner Torhüterin.

Gerade letzteres traf den VfL doch ziemlich, denn es ist schon eine ganze Weile her, da man den letzten Strafwurf nicht hatte verwandeln können. Bis zur 16. Minute erhöhte Berlin auf 5:2. Anja Müller, die mit ihren Sprungwürfen nicht recht zum Zuge kam, konnte zwar in der gleichen Minute auf 3:5 verkürzen, aber dann schienen dem VfL sämtliche Felle davon zu schwimmen., denn Carola Schmalbein erhöhte mit zwei Treffern bis zur 20. Minute auf 7:3.

Auffällig dabei war, dass die Berlinerinnen sämtliche Treffer aus der zweiten Reihe erzielten Sie demonstrierten ein hervorragendes Laufspiel vor der VfL-Deckung und dagegen fanden die Oldesloerinnen, die zu sehr am Kreis "klebten", obwohl der Gegner auf ein Kreisläuferspiel fast völlig verzichtete, kein geeignetes Gegenmittel.

Im eigenen Angriff gab es dagegen bei den Oldesloerinnen auch weiterhin einigen Leerlauf, weil die Außenpositionen selten besetzt waren und Wurfversuche völlig überhastet (Anja Müller und Antje Schütt) angesetzt wurden. Pech kam noch dazu, denn auch Anja Müller traf nur die Querlatte und nach dem 4:7 durch Antje Schütt war das "Holz" Andrea Güldenpfennig sogar noch zweimal im Weg.

Die Deckung wurde in der Halbzeit nicht umgestellt, die ballführenden Gegnerinnen sollten aber früher angegriffen werden. So bekam der VfL das Spiel in der zweiten Halbzeit besser in den Griff.

Bis allerdings im Ergebnis eine Wende zum Guten für die Stormarnerinnen eintrat, waren noch bange Minuten zu überstehen. Zunächst fielen neun Minuten überhaupt keine Tore und der erste Treffer nach dem Seitenwechsel ging auf das Konto der Berlinerinnen. Die Torschützin musste dann wenig später nach einem Foul dann für zwei Minuten auf die Strafbank, doch auch in Überzahl wollte dem VfL eine Aufholjagd noch nicht gelingen, denn Susanne Paetz und Meike Schäfer scheiterten - feie am Kreis stehend - nacheinander an der Berliner Torhüterin.

Erst als Anja Müller dann in der 36. Minute einen 7m zum 5:8 verwandelte, ging es beim VfL richtig los, obwohl Antje Schütt, der bei der Aktion, die zum 7m führte, die Luft wegblieb, für einige Minuten pausieren musste. Anja Bünger vertrat sie vor allem in der Deckung ausgezeichnet und blieb auch im Spiel, als Antje Schütt dann wieder eingewechselt wurde.

Andrea Güldenpfennig hatte mit ihren Würfen nun auch mehr Glück. Sie erzielte in der 39. Minute das 6:8 und Antje Schütt, die nun auf der Außenposition agierte, schaffte mit einem herrlichen Treffer in der 44. Minute das 7:8.

Als zwei Minuten später Andrea Güldenpfennig dann sogar mit einem nervenstark abgeschlossenen Tempogegenstoß sogar das 8:8 erzielte, sah es sogar so aus, als könnte der VfL das Spiel noch gewinnen, denn konditionell zeigten sich bei den Berlinerinnen nun doch Mängel. Ihr 9:8 Erfolg, den Carola Schmalbein in der 48. Minute mit einem 7m erzielte, ging dann aber - betrachtet man den gesamten Spielverlauf - wie schon erwähnt, in Ordnung.

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