Freitag, 6. Juni 1980
Ein 8:9-Rückstand Ist aufzuholen.

Es wird sicher schwer, aber der VfL kann es packen. Mehr als 800 Zuschauer wollen am Sonntag die VfL-Mädchen gegen die Reinickendorfer Füchse im Finale unterstützen.

(mth) Hält das herrliche Frühlingswetter auch über das Wochenende an, wird das Oldesloer Stadtfest in der neuen Fußgängerzone am Wochenende die Einwohner der Stormarner Kreisstadt ganz gewiß in ihren Bann ziehen. Die Sportfreunde unter ihnen aber, da sind wir genau sicher, werden am Sonntagvormittag das Stadtfest sein lassen und in großer Zahl in die Stormarnhalle „pilgern“, wo die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe zum zweiten Mal innerhalb von einem Jahr nach dem Deutschen Meistertitel greift.

Die Chancen für die Truppe von Trainer Ulli Meyer, den im letzten Jahr errungenen Titel erfolgreich zu verteidigen‚ stehen dabei nicht schlecht. Das erste Endspiel am letzten Sonntag in Berlin gegen die Reinickendorfer Füchse haben die Stormarner Mädchen zwar mit 8:9 verloren, aber die Chancen, diesen Rückstand vor eigenem Publikum wett zu machen, stehen noch recht günstig.

Leichtes Spiel allerdings werden die Oldesloerinnen gewiß nicht haben, denn die Berlinerinnen machten im Hinspiel deutlich, daß sie über eine homogene und kampfstarke Truppe verfügen, die ihre Haut auch in Bad Oldesloe gewiß teuer verkaufen wird. Im Berliner Hinspiel waren die Reinickendorferinnen insbesondere in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Der VfL, der in dieser Spielphase eine begreifliche Nervosität nicht ablegen konnte, machte dabei den Fehler, das Laufspiel der Berlinerinnen nicht konsequent zu unterbinden, so daß die hervorragenden Werferinnen aus der zweiten Reihe – Blanche Schwarz und Carola Schmalbein – immer wieder in günstige Positionen gebracht wurden.

Im zweiten Spielabschnitt aber hatte sich der VfL dann auf die Berlinerinnen viel besser eingestellt und erlaubte dem Gegner nur noch zwei Treffer – darunter ein verwandelter Siebenmeter. Im Rückspiel in der Stormarnhalle nun wird Trainer Ulli Meyer alles daransetzen, das erfolgreiche Konzept aus dieser zweiten Halbzeit, mit dem seine Schützlinge aus einem 4:7-Rückstand noch ein 8:9 machten, auf das ganze Spiel zu übertragen. Er hat mit seiner Mannschaft in dieser Woche noch zweimal intensiv trainiert und auch neue taktische Varianten, über die er sich öffentlich natürlich nicht verbreitet, ausprobiert.

Personell hat der Coach der Oldesloerinnen für das zweite Finale keinerlei Sorgen. Mit Martina Pusch, Kathrin Schäfer, Susanne Paetz, Wiebke Rickert, Martina Ivens, Anja Müller, Andrea Güldenpfennig, Andrea Struppek, Anja Bünger, Antje Schütt und Meike Schäfer hat er seine Stammformation zur Verfügung, die auch in dieser Saison schon wieder so unglaublich viel geleistet hat und vor der man, unabhängig, ob sie nun erneut Meister wird oder auch nicht, nur den Hut ziehen kann.

Da sich die Mannschaft in den letzten Wochen und Monaten eigentlich immer an guten Gegnern zu steigern wußte, hat sie allen Grund zuversichtlich und mit gesundem Optimismus in die Partie zu gehen. Bauen wird sie dabei ganz gewiß auf lautstarke Unterstützung des Publikums können. Im vergangenen Jahr waren gut 800 Zuschauer zum Endspiel gegen den VfL Pfullingen in der restlos ausverkauften Stormarnhalle, und wir sind uns sicher, daß in diesem Jahr ein gleicher Andrang herrschen wird.

Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr, als für Zuschauer schon eine Stunde vor Spielbeginn nichts mehr ging, läßt es allen Handballfreunden anraten, frühzeitig zur Stormarnhalle aufzubrechen. Die Hallenpforten werden für das Endspiel, das um 10.30 Uhr angepfiffen wird, um 9 Uhr geöffnet und wer nicht „in die Röhre“ gucken will, wird schon dann erscheinen, um sich eine der begehrten Karten zu sichern. Wie bei allen Spielen der VfL-Mädchen in der Vergangenheit werden auch für das Endspiel keine Karten über einen Vorverkauf vertrieben, sondern sind ausschließlich an der Tageskasse zu erwerben.

Wie im letzten Jahr wird das Endspiel auch am Sonntag von einem würdigen Rahmen umgeben. Es haben sich zahlreiche prominente Ehrengäste angesagt und auch das NDR-Fernsehen wird wieder mit einem Team vertreten sein, um am Montag in der regionalen Sportschau (ab 18 Uhr) über das Finale zu berichten.

Im Anschluß an das Spiel gibt die Stadt Bad Oldesloe im Foyer der Stormarnhalle einen Empfang für die beiden Endspielmannschaften. Die Zuschauer, die wie angeraten, rechtzeitig nach Halleneröffnung in der Stormarnhalle sind, brauchen sich im übrigen bis Spielbeginn nicht zu langweilen. Die Handball-Minimädchenmannschaften des VfL Oldesloe und des Rümpeler SV werden nach bewährtem Muster für Kurzweil sorgen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.6.1980

9.6.1980 (ST) - Wieder Deutscher Meister
VfL-Mädchen verteidigen den Titel

Der Meistertitel war schon in weiter Ferne, aber dann kam die "VfL-Dampfwalze" ins Rollen - 11:8 Sieg!

Die Superlative für die weibliche Jugend A des VfL Oldesloe sind eigentlich schon verbraucht gewesen, aber die prächtige Mannschaft belehrt einen jedes Mal noch eines besseren und ist immer noch zu einer Steigerung fähig. Mit einem grandiosen 11:8 Erfolg über die Reinickendorfer Füchse aus Berlin sicherte sich die Mannschaft um Mannschaftsführerin Antje Schütt gestern vor gut 800 Zuschauern (darunter exakt 681 zahlende) erneut den Deutschen Meistertitel.

Mit einer kämpferischen Leistung, die ihresgleichen sucht, bog die Oldesloer Mannschaft das Spiel noch um. Die Berlinerinnen konnten ihren Vorsprung zwar noch auf 5:2 schrauben, sie führten damit mit vier Toren Vorsprung, aber dann begann die "Dampfwalze" der Oldesloer Mädchen zu rollen und es gab einfach kein Halten mehr. Sieben Tore warfen die Oldesloerinnen nun hintereinander und gegen eine Reinickendorfer Mannschaft, die dann nichts mehr zuzusetzen hatte, wurde der erneute Gewinn der Deutschen Meisterschaft sicher nach Hause geschaukelt.

In der Stormarnhalle spielten sich nach dem Spiel unbeschreibliche Jubelszenen ab. Die Zuschauer, die schon in der zweiten Halbzeit, als der VfL eine geradezu unwahrscheinliche Aufholjagd begonnen hatte, zu für Oldesloer Verhältnisse außergewöhnlichen Anfeuerungsarien übergegangen waren, flippten nach dem Schlusspfiff schier aus und ließen die Siegerehrung, die der Präsident des DHB, Bernhard Thiele, persönlich vornahm, in einem Jubelorkan schier untergehen.

Thiele, der die tolle Leistung der VfL-Mädchen gebührend würdigte, fand aber, verdientermaßen, auch anerkennende Worte für die Berliner Mädchen. Und in der Tat: Wie im letzten Jahr der VfL Pfullingen waren auch die Reinickendorfer Füchse ein überaus würdiger Vizemeister und Endspielpartner, der mit ein wenig Glück das bessere Ende auch für sich hätte haben können.

Aber nun zum hochdramatischen Spielverlauf. Wie im vergangenen Jahr zum Endspiel war der Andrang in der STORMARNHALLE schon frühzeitig riesengroß. Zum Spielbeginn um 10.30 Uhr war die Halle wieder bis zum Bersten gefüllt und die Erwartungen der Oldesloer Fans waren groß. Die Kunde vom ersten Endspiel in Berlin, wo der VfL nach weniger guter Leistung in der ersten Halbzeit sich im zweiten Durchgang eine glänzende Ausgangsposition für das Spiel vor eigener Kulisse erspielt hatte, hatte die Erwartungen in Richtung einer erfolgreichen Titelverteidigung gestellt.

Augenzeugen des Berliner Spiels war zwar klar gewesen, dass den Oldesloer Mädchen ein harter Strauß im Haus stehen würde, aber letztendlic, so glaubte man, würde es schon langen. Wie in Berlin aber waren die Reinickendorfer Mädchen zunächst die spielbestimmende Mannschaft. Die sehr konsequenten Schiedsrichter gaben ihnen schon in den ersten sechzig Sekunden einen Siebenmeter, den Petra Edler gegen Martina Pusch sicher verwandelte.

Auf der Gegenseite bekam aber auch der VfL schon in der zweiten Minute einen Siebenmeter zugesprochen. den Andrea Struppeck nicht minder sicher im Tor unterbrachte. Anders aber als bei den Gästen wirkte der frühe Treffer bei den Oldesloer Mädchen nicht nervenberuhigend. Während die Berlinerinnen sich in ihrem Kombinationsspiel auch dadurch nicht beirren ließen, dass der VfL mit einer 5:1-Deckungsfonnation operierte - Andrea Güldenpfennig spielte vor der eigenen Abwehrreihe - war bei den Stormarnerinnen doch reichlich "Sand im Getriebe". So wollte es beispielsweise mit einem Kombinationsspiel überhaupt nicht recht klappen, und auch von einem merklichen Druck auf das Berliner Tor war gegen die massive und aufmerksame Deckung der Reinickendorferinnen nichts zu merken. Als nach einem Lattenwurf von Blanche Schwarz VfL- Mannschaftsführerin Antje Schütt in der fünften Minute nach einem Foulspiel das Feld für zwei Minuten räumen musste, bekamen die Gäste endgültig für den ersten Spielabschnitt Oberwasser.

Erneut Petra Edler erzielte in der sechsten Minute das 2:1 für ihre Mannschaft, und die gleiche Spielerin war es auch, die an der achten Minute, als Antje Schütt schon wieder mit von der Partie war, auf 3:1 erhöhte. Eine Minute später konnte Andrea GüIdenpfennig nach einem Freistoßtrick zwar auf 2:3 verkürzen, aber dieser Treffer beendete auch schon den Torreigen für den VfL in den ersten 25 Minuten.

Treffer blieben überhaupt bis zur Halbzeit ausgesprochene Mangelware. Auch die Berlinerinnen, die zweifellos die dominierende Mannschaft stellten, konnten Martina Pusch, die im Oldesloer Tor mit zunehmender Spieldauer immer besser wurde, nur noch ein einziges Mal überwinden. Carola Schmalbein besorgte dieses in der 14. Minute mit einem Siebenmeier. Beim VfL dagegen wollte und wollte es einfach nicht laufen. Ballverluste durch unüberlegte Abspiele und überhastete Würfe häuften sich und Anja Müller, deren gute Form aus den letzten Wochen bei allem Einsatz wie weggeblasen schien, setzte in der 14. Minute sogar einen Siebenmeter neben das Tor.

Ohne Zweifel hatten die Berlinerinnen bis zum Seitenwechsel deutlicher als mit nur zwei Toren Vorsprung führen können. Wenn es für den VfL nicht noch bitterer kam, so lag das, wie schon erwähnt, hauptsächlich an der glänzend disponierten Martina Pusch, die sich von der Nervosität ihrer Mitspielerinnen nie anstecken ließ. Den anderen Oldesloer Mädchen konnte man bis zur Pause lediglich das Kompliment machen, bei allem spielerischen Leerlauf nie den kämpferischen Einsatz vermissen zu lassen.

Zu mehr schien die Mannschaft an diesem Tag einfach nicht in der Lage zu sein, und man musste für den zweiten Spielabschnitt eigentlich schon Schlimmes befürchten. Ein wenig hoffnungsfroh konnte einen lediglich stimmen, dass die Berlinerinnen in der ersten Halbzeit ganz offensichtlich kräftemäßig ein wenig über Ihre Verhältnisse gelebt hatten. Einige Berlinerinnen machten schon beim Gang zur Halbzeltpause einen derart erschöpften Eindruck. so dass eigentlich zu erwarten war, sie könnten, wie beim Hinspiel, ihr höllisches Tempo nicht durchstehen.

Und genau diese Erwartung traf dann in der zweiten Halbzeit ein. Den ersten Angriff der Reinickendorferinnen, die Anwurf hatten, konnte Blanche Schwarz zwar noch zum 5:2 erfolgreich abschließen. aber dann spielte eigentlich nur noch eine Mannschaft, und das war der VfL.

Zur entscheidenden Figur in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel, die den Umschwung einleitete, wurde dabei Antje Schütt. Die VfL-Mannschaftsführerin, die in der ersten Halbzeit auch kaum "ein Bein an die Erde" bekommen hatte, verkürzte mit zwei herrlichen Toren innerhalb von 60 Sekunden auf 4:5, und Antje Schütt war es auch, die nachdem Anja Müller mit einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß in der 29. Minute den Ausgleich besorgt hatte, ihre Mannschaft in der 33. Minute erstmals mit 6:5 in Führung brachte.

Mit diesem Spielstand hatte der VfL erstmals in Zusammenrechnung beider Spiele "die Nase vorn", und es wäre nun an den Berlinerinnen gewesen, wieder die Initiative zu ergreifen. Aber der VfL-Express ließ sich, nun einmal in Bewegung gekommen, nicht mehr stoppen.

Was Antje Schütt eingeleitet hatte, wurde nun in der Hauptsache von Andrea Güldenpfennig fortgesetzt. Ein Augenschmaus war ihr Tempogegenstoß zum 7:5 in der 37. Minute, und als dann Anja Müller in der 40. Minute und noch einmal Andrea Güldenpfennig in der 42. Minute den Vorsprung auf 9:5 ausgebaut halten, war das Spiel eigentlich gelaufen.

Die Gäste aus Berlin ließen erste Anzeichen von Resignation erkennen und die nötige Kraft, das Steuer gegen eine nun wie entfesselt auf spielende VfL-Mannschaft noch einmal herumzudrehen, halten sie ohnehin nicht mehr. Aufgeben allerdings wollten sich die Reinickendorfer Füchse, obwohl sie nach sicherer Führung sieben Tore hintereinander hatten schlucken müssen, noch lange nicht.

Ihre Chance sahen sie dann noch einmal gekommen, als Antje Schütt in der 43. Minute einen Tempogegenstoß unsanft beendete und erneut für zwei Minuten auf der Bank Platz nehmen musste. Carola Schmalbein verwandelte den Siebenmeter, der ebenfalls aus dieser Situation resultierte, zum 6:9 und mit einem weiteren Treffer von Petra Edler in der 46. Minute war der Vorsprung für den VfL mit 9:7 wieder bedrohlich geschmolzen.

Wieder komplett aber ließ sich der VfL dann nicht mehr beeindrucken. Andrea Güldenpfennig langte innerhalb von zwei Minuten zwischen der 47. und 49. Minute noch zweimal zu, und der letzte Treffer von Kathlen Lippke Sekunden vor dem Abpfiff zum 11:8 Endstand ging schon in den Siegesgesängen der VfL-Fans unter.

Mit einer unglaublichen Energieleistung hatten die Oldesloer Mädchen damit ihren Deutschen Meistertitel erfolgreich verteidigt. Nach dem wenig berauschenden Beginn hatte die Mannschaft wieder einmal alle ihre Tugenden an den Tag gelegt. So sicher es ist, dass die Reinickendorfer Füchse ein würdiger Vizemeister waren, der den Titel auch verdient gehabt hätte, so sicher ist auch, dass sich der VfL die erneute Deutsche Meisterschaft redlich verdient hat.

Müßig ist es dabei, nach dem Erfolg in der Mannschaft nun nach "Schuldigen" zu suchen. Gewiss: Im Endspiel hatten Martina Pusch, Andrea Güldenpfennig und Antje Schütt besonders viele "Aktien" im Spiel, aber Deutsche Meister werden schließlich nicht in einem Spiel, sondern in einer ganzen Saison "gemacht". Und das diese Saison so erfolgreich verlief, daran haben auch alle anderen acht Spielerinnen ihren gebührenden Anteil.

Ob nun Kathrin Schäfer, Martina Ivens und Anja Bünger, die im Endspiel in der Stormarnhalle das gewiss harte Los traf, die ganze Zeit auf der Auswechselbank bleiben zu müssen, oder Anja Müller, Andrea Struppeck, Wiebke Rickert, Susanne Paetz und Meike Schäfer, alle haben stets ihr bestes gegeben und die Mannschaft mitgeprägt.

So würdig der sportliche Ablauf des Endspiels für eine Deutsche Meisterschaft war, so würdig war auch der Rahmen, der das Spiel umgab. Von den insgesamt 800 Zuschauern, die in der zweiten Halbzeit die Stormarnhalle in einen Hexenkessel verwandelten, war schon die Rede, dazu hatte sich zahlreiche Prominenz eingefunden, um den besten deutschen Handballmädchen die Referenz zu erweisen.

Neben DHB-Präsident Bernhard Thiele waren dieses u. a. Kreispräsident Hubert Priemel, Bürgermeister Gottfried Baethge und nicht zuletzt der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Kurt Würzbach, der beim alten und neuen Deutschen Meister nach der Siegerehrung für eine freudige Überraschung sorgte, als er die Mannschaft für den Herbst für vier Tage nach Bonn einlud.

Bevor die Mannschaft nach dem Spiel bei einer zünftigen Feier - sie war stundenlang Mittelpunkt beim ersten Oldesloer Stadtfest - sich von den Strapazen erholte, gab unmittelbar nach dem Schlusspfiff die Stadt Bad Oldesloe im Foyer der Stormarnhalle einen Empfang für beide Endspielmannschaften, bei dem viele lobende Worte für das dramatische Geschehen gefunden wurden.

Montag, 9. Juni 1980

… Alle Fans, die das Spiel gestern versäumt haben, können heute ab 18 Uhr in der Sportschau der Nordschau im ersten Fernsehprogramm Ausschnitte aus dem Spiel sehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.6.1980

 

Montag, 9. Juni 1980

Kampfgeist und Harmonie – Tugenden der VfL-Mädchen

(mth) Deutscher Meister 1979 – Deutscher Meister 1980! Was die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe mit dem gestrigen Sieg in der Stormarnhalle erreicht hat, ist im Sport zwar keine einmalige Angelegenheit, eine Rarität aber bleibt die Sache, die kaum hoch genug einzuschätzen ist. Erfolgreiche Titelverteidigungen gibt es im Seniorenbereich ziemlich häufig, im Jugendbereich – und noch dazu in einer Mannschaftssportart – sind sie, zumindest auf nationaler Ebene, eine Seltenheit.

Wegen der Altersgrenzen ist die Fluktuation in solchen Mannschaften aus ganz natürlichen Gründen besonders hoch und auch, daß die besten und routiniertesten Kräfte die Mannschaft verlassen, ist eher die Regel als die Ausnahme. Bei den Oldesloer Handballmädchen war dieses nicht anders. Mit Christiane Buck, Renate Warncke, Andrea Hasenberg und Jeanette Müller schieden im letzten Jahr nach dem grandiosen Triumpf über den VfL Pfullingen nicht weniger als vier Stammspielerinnen aus Altersgründen aus der Truppe von Trainer Ulli Meyer aus. Hinzu kam noch der freiwillige Verzicht von der letztjährigen Meistertorhüterin Gudrun Noack.

Durch diesen Aderlaß geschwächt, waren die Aussichten auf ein erfolgreiches Abschneiden in diesem Jahr eigentlich für die Oldesloer Mädchen gewiß nicht rosig. Sicher, mit einem Platz im vorderen Drittel in der schleswig-holsteinischen Oberliga hatte man schon spekuliert, aber schon die erfolgreiche Verteidigung des Landesmeistertitels war für viele Eingeweihte eine angenehme Überraschung.

Möglich wurde dieses, weil die Truppe sehr schnell unter den Fittichen von Ulli Meyer zu einer Einheit zusammenwuchs, deren kämpferische Qualitäten die ihrer Vorgängerin wenn möglich sogar noch übertraf. Aber damit war die Truppe noch lange nicht am Ziel ihrer Möglichkeiten. Im Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Vertreter TuS Alstertal, als man die Mannschaft noch einem nur knappen Hinspielsieg eigentlich schon abgeschrieben hatte, ließen die jungen Oldesloer Mädchen dann erstmals erahnen, daß ihnen sogar eine erfolgreiche Verteidigung des Deutschen Meistertitels zuzutrauen war. Im Nachhinein betrachtet war der 19:16-Erfolg in der Hansestadt vielleicht die beste Leistung, die die VfL-Mädchen im ganzen Jahr gebracht haben.

Die Mannschaft strotzte nach diesem Sieg nur so vor Selbstvertrauen und dieses Selbstvertrauen half ihnen in den Endspielrunden um die Deutsche Meisterschaft, auch über schwächere Perioden schadlos hinwegzukommen. Insbesondere wurde diese Eigenschaft, gepaart mit der Fähigkeit bis zur Erschöpfung zu kämpfen und niemals aufzustecken, in den beiden Endspielen gegen die Reinickendorfer Füchse deutlich.

Die Verdienste von Trainer Ulli Meyer an dieser Entwicklung sind gar nicht zu überschätzen. Der Coach, dem für seine Mädchen kein Weg zu weit und keine Mühe zu viel ist, hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Mit Manfred Fandrey stand ihm dabei ein Helfer zur Verfügung, dessen Hauptverdienst es Ist, daß Ulli Meyer sich im wesentlichen auf die spielerischen Belange konzentrieren konnte – alles Organisatorische nahm ihm der „Manager“ aus den Händen.

Aber nun zu den Hauptpersonen, den Spielerinnen im einzelnen: Im Tor standen dem Trainer mit Martina Pusch und Kathrin Schäfer gleich zwei überdurchschnittliche Kräfte zur Verfügung. Ein wenig unglücklich verlief dabei die Saison für Kathrin Schäfer, die ursprünglich als Nr. 1 vorgesehen war, im Lauf der Saison dann aber von einer immer stärker werdenden Martina Pusch, für die das Wort „Nerven“ ein Fremdwort ist, verdrängt wurde. Daß Kathrin aber keineswegs wegen fehlender Leistungsfähigkeit zurückstehen mußte, zeigte sie im Halbfinalspiel in Oberlahnstein mehr als deutlich.

Von den Feldspielerinnen muß Andrea Güldenpfennig unbedingt an erster Stelle genannt werden. Sie gehörte schon in der letztjährigen Mannschaft zu den Leistungsträgerinnen, und hat sich in den letzten zwölf Monaten zur Wohl besten deutschen Handballnachwuchsspielerin entwickelt. Wir jedenfalls, die wir alle deutschen Spitzenmannschaften gesehen haben, sind dabei auf kein größeres Talent gestoßen.

Aber so sehr der VfL der vielen Tore von Andrea natürlich bedurfte, ein „VfL-Güldenpfennig“ ist aus der Mannschaft deshalb nie geworden. Anja Müller mit ihrem druckvollen Angriffsspiel und ihrer aggressiven Abwehrarbeit, Antje Schütt, die als Abwehrorganisatorin und Mannschaftsführerin ein Riesenpensum leistete, und die immer zuverlässige Andrea Struppek mit ihrer Pfiffigkeit so etwas wie der gute Geist der Mannschaft, waren weitere Eckpfeiler für den Erfolg.

Wiebke Rickert, die kleine drahtige Kreisläuferin, und Susanne Paetz, die schon Im letzten Jahr zum Kader der Mannschaft gehörte, damals aber noch selten zum Einsatz kam, runden die Stammformation ab. In eben diese Stammformation hat sich in den letzten Monaten und Wochen auch Meike Schäfer, Linkshänderin wie Susanne Paetz, mehr und mehr hereingespielt, ihr fehlt eigentlich nur noch ein Schuß Selbstvertrauen, um groß herauszukommen, aber sie hat ja schließlich noch zwei weitere Jahre Zeit, um in der A-Jugend zu reifen.

Ein „Wechsel auf die Zukunft“ schließlich ist auch Anja Bünger, das Küken der Mannschaft. Lernt sie es noch, ihre gewaltigen Würfe besser zu kontrollieren, wird man beim VfL sicher noch hei Freude an ihr haben. Auf den endgültigen Durchbruch schließlich wartet auch noch Martina Ivens, die technisch und tempomäßig schon jetzt zu den Besten zählt, gelegentlich aber noch etwas Übersicht und Temperament vermissen läßt.

Mit Kathrin Schäfer, Anja Müller und Antje Schütt scheiden nach dem erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft drei Spielerinnen aus Altersgründen aus der Mannschaft aus. Wie wir die prächtige Truppe aber kennen, dürfen wir von der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe auch in Zukunft viele schöne und spannende Spiele erwarten. Es müssen ja nicht in jedem Jahr Meistertitel „en gros“ sein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.6.1980

 

Freitag, 13. Juni 1980

Briefe an die Redaktion

PKW auf dem Siegerfoto

Wie kommt der PKW auf das Foto? Diese Frage haben sich sicher eine große Zahl Leser des Stormarner Tageblatt gestellt, die das Siegerfoto der erfolgreichen VfL-Handballerinnen nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft betrachtet haben. Wer allerdings auf dem Foto kein Fahrzeug entdeckt hat, dem sei gesagt, bei dem PKW handelt es sich um den smarten Herren, der neben Bürgermeister Baethge so freundlich nach rechts schaut. Sein Blick ruht keineswegs auf die erfolgreichen jungen Damen.

Aber wie kommt er denn auf das Foto? Ist eventuell eine der Damen seine Tochter, Nichte oder Cousine? Nein, diese Frage kann verneint werden. PKW hat flugs, das ist des Rätsels Lösung, den erfolgreichen Handballerinnen eine bildungspolitische Reise nach Bonn versprochen. PKW kann das, das steht außer Zweifel. Derartige Reisen kann jeder Bundestagsabgeordnete mindestens einmal im Jahr arrangieren. Die Reisen, die der Steuerzahler bezahlt, sollen dem politischen Verständnis der Bürger für die Probleme eines Abgeordneten und seiner Aufgabe dienen.

PKW meinte, auch die erfolgreichen VfL-Damen sollten einmal erleben, wie er in Bonn agiert. Einem so großzügigen Abgeordneten kann man doch nicht verwehren, noch schnell auf das Siegerfoto zu springen. Also kam PKW auf das Foto. Nach all den Enttäuschungen der letzten Wahlausgänge, war es sicher gut, einmal wieder unter Siegern zu sein. Sie fragen, wer PKW ist? Es handelt sich um: Peter Kurt Würzbach.

Wenn sie immer noch nicht wissen, wer PKW ist, fragen sie ihren Nachbarn. Sollte auch der PKW nicht kennen, dann ist er wohl wirklich nicht so bekannt, daß er auf das Siegerfoto gehört. Hans-Jürgen Schepler, Ammersbek 2.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.6.1980

 

Dienstag, 24. Juni 1980

Große Reise als Belohnung

Die VfL-Mädchen weilten in Süddeutschland

(st) Der frischgebackene alte und neue Deutsche Meister der weiblichen Handball-A-Jugend, der VfL Oldesloe, unternahm kurz nach dem Titelgewinn eine fünftägige Reise nach Süddeutschland. die als Abschlußreise und Belohnung für das erfolgreiche Team in alter Besetzung vorgesehen war.

Leider aber hatten nicht alle Meisterspielerinnen die Reise mitmachen können. So fehlte unter anderem mit der verletzten Anja Müller eine der drei Spielerinnen, die im nächsten Jahr nicht mehr mit von der Partie sind, weil sie aus Altersgründen in die Damenmannschaft überwechseln müssen.

Mit dabei waren aber Antje Schütt und Kathrin Schäfer, die dann auch beim ersten sportlichen Wettkampf, einem Freundschaftsspiel gegen die Damenmannschaft des befreundeten TSV Schmieden-Stuttgart, herausragende Rollen spielten. Mit sechs Toren (Antje Schütt) und herrlichen Torwartparaden (Kathrin Schäfer) hatten sie entscheidenden Anteil am 18:15-Erfolg der Oldesloer Mädchen.

Hauptziel der Reise aber war das schwäbische Pfullingen. wo man sich an einem Turnier des letztjährigen Endspielgegners VfL Pfullingen beteiligte. In der Vorrunde dieses Turniers spielten die Stormarnerinnen mit ihren Gegnern Katz und Maus. TV Altenstadt und TV Spaichingen wurden jeweils mit 13:1 besiegt, gegen TV Bitz legte man sogar noch einen Treffer mehr zu und gewann mit 14:1. Ohne Problem verlief auch das Zwischenrundspiel gegen den KSV Unterelchingen, das der VfL mit 9:1 für sich entschied.

Spannender ging es dann schon im Halbfinale zu, in dem es zu einer Neuauflage des letztjährigen Endspiels gegen den VfL Pfullingen kam. Nach spannendem Kampf siegten die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer schließlich mit 5:4. Noch dramatischer ging es dann im Endspiel des Turniers zu. 6:6 lautete nach Ende der regulären Spielzeit der Spielstand zwischen dem VfL und SSV Talheim. In der notwendig gewordenen Verlängerung gewannen die Talheimerinnen dann knapp mit 8:9.

Die sportlichen Begegnungen waren aber nur ein Teil der Reise. Ein großes Rahmenprogramm, unter anderem die Teilnahme am Altstadtfest in Waiblingen, eine Rundfahrt durch Stuttgart und Umgebung und die herzliche Aufnahme bei beiden Gastgebern, machten die Fahrt zu einem großen Erlebnis für alte Teilnehmer. Für das Pfullinger Turnier im nächsten Jahr wurde die VfL-Mannschaft im übrigen spontan schon jetzt wieder eingeladen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.6.1980

 

Mittwoch, 2. Juli 1980

Festball zu Ehren der Handballmädchen

(js) Mit einem großen Festball in der Oldesloer Festhalle in der Grabauer Straße wird am kommenden Sonnabend, dem 5. Juli, ab 20 Uhr der neue und alte Deutsche Meister der weiblichen Handball A-Jugend, der VfL Bad Oldesloe, geehrt. Zu dem Ball, zu dem alle Oldesloer eingeladen sind, haben sich zahlreiche Prominente angesagt. Außerdem wird eine bekannte Tanzkapelle spielen. Der Eintritt zu der Veranstaltung kostet zehn Mark, um vorherige Anmeldung bei Ulli Meyer wird gebeten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.7.1980

 

Sonnabend, 5. Juli 1980

Die Nacht der VfL-Handballmädchen

Stadt ehrte deutsche Meister mit großem Festball

(js) Wieder einmal standen die Handballmädchen des VfL Oldesloe ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Diesmal allerdings nicht in sportlicher, sondern in gesellschaftlicher Hinsicht.

Im Rahmen eines großen Festballes, der eigens für den nunmehr zweifachen Deutschen Meister der weiblichen Handball A-Jugend veranstaltet wurde, ehrte die Stadt Bad Oldesloe die Mädchen um Trainer Ulli Meyer.

In einer kurzen Ansprache hob Bürgerworthalter Dieter Achterberg noch einmal die großartige Leistung der Spielerinnen hervor. Das Stadtfest und die Erringung des zweiten Meistertitels, was beides auf einen Tag fiel, sei von der Bevölkerung in einmaliger Weise gefeiert worden, betonte Dieter Achterberg.

Im Anschluß daran überreichte er der Mannschaftsführerin Antje Schütt einen Gutschein für Trikots. Einen weiteren Scheck für seine Mannschaft konnte Trainer Ulli Meyer entgegen nehmen. Nicht in der Ehrung teilnehmen konnte die Torhüterin des Deutschen Meisters, Kathrin Schäfer. Sie liegt zur Zeit mit einer Beinverletzung (Bänderriß) im Krankenhaus.

Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Handballmädchen und ihre Fans in der Festhalle. Zwischendurch gab es um Mitternacht noch ein besonderes Ereignis: Die beiden Spielerinnen Antje Schütt und Anja Müller wurden 18 Jahre alt und müssen jetzt aus der A-Jugend ausscheiden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.7.1980

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