Montag, 9. Juni 1980
Kampfgeist und Harmonie – Tugenden der VfL-Mädchen.

(mth) Deutscher Meister 1979 – Deutscher Meister 1980! Was die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe mit dem gestrigen Sieg in der Stormarnhalle erreicht hat, ist im Sport zwar keine einmalige Angelegenheit, eine Rarität aber bleibt die Sache, die kaum hoch genug einzuschätzen ist. Erfolgreiche Titelverteidigungen gibt es im Seniorenbereich ziemlich häufig, im Jugendbereich – und noch dazu in einer Mannschaftssportart – sind sie, zumindest auf nationaler Ebene, eine Seltenheit.

Wegen der Altersgrenzen ist die Fluktuation in solchen Mannschaften aus ganz natürlichen Gründen besonders hoch und auch, daß die besten und routiniertesten Kräfte die Mannschaft verlassen, ist eher die Regel als die Ausnahme. Bei den Oldesloer Handballmädchen war dieses nicht anders. Mit Christiane Buck, Renate Warncke, Andrea Hasenberg und Jeanette Müller schieden im letzten Jahr nach dem grandiosen Triumpf über den VfL Pfullingen nicht weniger als vier Stammspielerinnen aus Altersgründen aus der Truppe von Trainer Ulli Meyer aus. Hinzu kam noch der freiwillige Verzicht von der letztjährigen Meistertorhüterin Gudrun Noack.

Durch diesen Aderlaß geschwächt, waren die Aussichten auf ein erfolgreiches Abschneiden in diesem Jahr eigentlich für die Oldesloer Mädchen gewiß nicht rosig. Sicher, mit einem Platz im vorderen Drittel in der schleswig-holsteinischen Oberliga hatte man schon spekuliert, aber schon die erfolgreiche Verteidigung des Landesmeistertitels war für viele Eingeweihte eine angenehme Überraschung.

Möglich wurde dieses, weil die Truppe sehr schnell unter den Fittichen von Ulli Meyer zu einer Einheit zusammenwuchs, deren kämpferische Qualitäten die ihrer Vorgängerin wenn möglich sogar noch übertraf. Aber damit war die Truppe noch lange nicht am Ziel ihrer Möglichkeiten. Im Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Vertreter TuS Alstertal, als man die Mannschaft noch einem nur knappen Hinspielsieg eigentlich schon abgeschrieben hatte, ließen die jungen Oldesloer Mädchen dann erstmals erahnen, daß ihnen sogar eine erfolgreiche Verteidigung des Deutschen Meistertitels zuzutrauen war. Im Nachhinein betrachtet war der 19:16-Erfolg in der Hansestadt vielleicht die beste Leistung, die die VfL-Mädchen im ganzen Jahr gebracht haben.

Die Mannschaft strotzte nach diesem Sieg nur so vor Selbstvertrauen und dieses Selbstvertrauen half ihnen in den Endspielrunden um die Deutsche Meisterschaft, auch über schwächere Perioden schadlos hinwegzukommen. Insbesondere wurde diese Eigenschaft, gepaart mit der Fähigkeit bis zur Erschöpfung zu kämpfen und niemals aufzustecken, in den beiden Endspielen gegen die Reinickendorfer Füchse deutlich.

Die Verdienste von Trainer Ulli Meyer an dieser Entwicklung sind gar nicht zu überschätzen. Der Coach, dem für seine Mädchen kein Weg zu weit und keine Mühe zu viel ist, hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Mit Manfred Fandrey stand ihm dabei ein Helfer zur Verfügung, dessen Hauptverdienst es Ist, daß Ulli Meyer sich im wesentlichen auf die spielerischen Belange konzentrieren konnte – alles Organisatorische nahm ihm der „Manager“ aus den Händen.

Aber nun zu den Hauptpersonen, den Spielerinnen im einzelnen: Im Tor standen dem Trainer mit Martina Pusch und Kathrin Schäfer gleich zwei überdurchschnittliche Kräfte zur Verfügung. Ein wenig unglücklich verlief dabei die Saison für Kathrin Schäfer, die ursprünglich als Nr. 1 vorgesehen war, im Lauf der Saison dann aber von einer immer stärker werdenden Martina Pusch, für die das Wort „Nerven“ ein Fremdwort ist, verdrängt wurde. Daß Kathrin aber keineswegs wegen fehlender Leistungsfähigkeit zurückstehen mußte, zeigte sie im Halbfinalspiel in Oberlahnstein mehr als deutlich.

Von den Feldspielerinnen muß Andrea Güldenpfennig unbedingt an erster Stelle genannt werden. Sie gehörte schon in der letztjährigen Mannschaft zu den Leistungsträgerinnen, und hat sich in den letzten zwölf Monaten zur Wohl besten deutschen Handballnachwuchsspielerin entwickelt. Wir jedenfalls, die wir alle deutschen Spitzenmannschaften gesehen haben, sind dabei auf kein größeres Talent gestoßen.

Aber so sehr der VfL der vielen Tore von Andrea natürlich bedurfte, ein „VfL-Güldenpfennig“ ist aus der Mannschaft deshalb nie geworden. Anja Müller mit ihrem druckvollen Angriffsspiel und ihrer aggressiven Abwehrarbeit, Antje Schütt, die als Abwehrorganisatorin und Mannschaftsführerin ein Riesenpensum leistete, und die immer zuverlässige Andrea Struppek mit ihrer Pfiffigkeit so etwas wie der gute Geist der Mannschaft, waren weitere Eckpfeiler für den Erfolg.

Wiebke Rickert, die kleine drahtige Kreisläuferin, und Susanne Paetz, die schon Im letzten Jahr zum Kader der Mannschaft gehörte, damals aber noch selten zum Einsatz kam, runden die Stammformation ab. In eben diese Stammformation hat sich in den letzten Monaten und Wochen auch Meike Schäfer, Linkshänderin wie Susanne Paetz, mehr und mehr hereingespielt, ihr fehlt eigentlich nur noch ein Schuß Selbstvertrauen, um groß herauszukommen, aber sie hat ja schließlich noch zwei weitere Jahre Zeit, um in der A-Jugend zu reifen.

Ein „Wechsel auf die Zukunft“ schließlich ist auch Anja Bünger, das Küken der Mannschaft. Lernt sie es noch, ihre gewaltigen Würfe besser zu kontrollieren, wird man beim VfL sicher noch hei Freude an ihr haben. Auf den endgültigen Durchbruch schließlich wartet auch noch Martina Ivens, die technisch und tempomäßig schon jetzt zu den Besten zählt, gelegentlich aber noch etwas Übersicht und Temperament vermissen läßt.

Mit Kathrin Schäfer, Anja Müller und Antje Schütt scheiden nach dem erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft drei Spielerinnen aus Altersgründen aus der Mannschaft aus. Wie wir die prächtige Truppe aber kennen, dürfen wir von der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe auch in Zukunft viele schöne und spannende Spiele erwarten. Es müssen ja nicht in jedem Jahr Meistertitel „en gros“ sein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.6.1980

 

Freitag, 13. Juni 1980
PKW auf dem Siegerfoto.

Wie kommt der PKW auf das Foto? Diese Frage haben sich sicher eine große Zahl Leser des Stormarner Tageblatt gestellt, die das Siegerfoto der erfolgreichen VfL-Handballerinnen nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft betrachtet haben. Wer allerdings auf dem Foto kein Fahrzeug entdeckt hat, dem sei gesagt, bei dem PKW handelt es sich um den smarten Herren, der neben Bürgermeister Baethge so freundlich nach rechts schaut. Sein Blick ruht keineswegs auf die erfolgreichen jungen Damen.

Aber wie kommt er denn auf das Foto? Ist eventuell eine der Damen seine Tochter, Nichte oder Cousine? Nein, diese Frage kann verneint werden. PKW hat flugs, das ist des Rätsels Lösung, den erfolgreichen Handballerinnen eine bildungspolitische Reise nach Bonn versprochen. PKW kann das, das steht außer Zweifel. Derartige Reisen kann jeder Bundestagsabgeordnete mindestens einmal im Jahr arrangieren. Die Reisen, die der Steuerzahler bezahlt, sollen dem politischen Verständnis der Bürger für die Probleme eines Abgeordneten und seiner Aufgabe dienen.

PKW meinte, auch die erfolgreichen VfL-Damen sollten einmal erleben, wie er in Bonn agiert. Einem so großzügigen Abgeordneten kann man doch nicht verwehren, noch schnell auf das Siegerfoto zu springen. Also kam PKW auf das Foto. Nach all den Enttäuschungen der letzten Wahlausgänge, war es sicher gut, einmal wieder unter Siegern zu sein. Sie fragen, wer PKW ist? Es handelt sich um: Peter Kurt Würzbach.

Wenn sie immer noch nicht wissen, wer PKW ist, fragen sie ihren Nachbarn. Sollte auch der PKW nicht kennen, dann ist er wohl wirklich nicht so bekannt, daß er auf das Siegerfoto gehört.

Hans-Jürgen Schepler, Ammersbek 2.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.6.1980

 

Mittwoch, 2. Juli 1980
Festball zu Ehren der Handballmädchen.

 Mit einem großen Festball in der Oldesloer Festhalle in der Grabauer Straße wird am kommenden Sonnabend, dem 5. Juli, ab 20 Uhr der neue und alte Deutsche Meister der weiblichen Handball A-Jugend, der VfL Bad Oldesloe, geehrt. Zu dem Ball, zu dem alle Oldesloer eingeladen sind, haben sich zahlreiche Prominente angesagt. Außerdem wird eine bekannte Tanzkapelle spielen. Der Eintritt zu der Veranstaltung kostet zehn Mark, um vorherige Anmeldung bei Ulli Meyer wird gebeten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.7.1980

 

Sonnabend, 5. Juli 1980
Die Nacht der VfL-Handballmädchen. Stadt ehrte deutsche Meister mit großem Festball.

(js) Wieder einmal standen die Handballmädchen des VfL Oldesloe ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Diesmal allerdings nicht in sportlicher, sondern in gesellschaftlicher Hinsicht.

Im Rahmen eines großen Festballes, der eigens für den nunmehr zweifachen Deutschen Meister der weiblichen Handball A-Jugend veranstaltet wurde, ehrte die Stadt Bad Oldesloe die Mädchen um Trainer Ulli Meyer.

In einer kurzen Ansprache hob Bürgerworthalter Dieter Achterberg noch einmal die großartige Leistung der Spielerinnen hervor. Das Stadtfest und die Erringung des zweiten Meistertitels, was beides auf einen Tag fiel, sei von der Bevölkerung in einmaliger Weise gefeiert worden, betonte Dieter Achterberg.

Im Anschluß daran überreichte er der Mannschaftsführerin Antje Schütt einen Gutschein für Trikots. Einen weiteren Scheck für seine Mannschaft konnte Trainer Ulli Meyer entgegen nehmen. Nicht in der Ehrung teilnehmen konnte die Torhüterin des Deutschen Meisters, Kathrin Schäfer. Sie liegt zur Zeit mit einer Beinverletzung (Bänderriß) im Krankenhaus.

Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Handballmädchen und ihre Fans in der Festhalle. Zwischendurch gab es um Mitternacht noch ein besonderes Ereignis: Die beiden Spielerinnen Antje Schütt und Anja Müller wurden 18 Jahre alt und müssen jetzt aus der A-Jugend ausscheiden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.7.1980

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