Das Finale um die Nordeutsche Meisterschaft

 

Freitag, 24. April 1981

Ein ganz heißes Handball-Wochenende. Für den VfL stehen zwei Nordtitel und ein Aufstieg auf dem Spiel.

(mth) Für die Handballabteilung des VfL Oldesloe, in der Saison 1980/81 wahrlich nicht um Erfolge verlegen, steht ein ganz besonders heißes Wochenende bevor. Die drei Renommiermannschaften des Vereins, die weibliche A-Jugend, die weibliche B-Jugend und die Herrenmannschaft, stehen durchweg vor ganz wichtigen Aufgaben. Aufgaben, die, wenn sie gelöst werden, die großartige Arbeit in der Sparte krönen können, oder doch zumindestens die Wege zu neuen Höhepunkten im Stormarner Handballgeschehen ebnen können. …

Am Sonnabend um 17.15 Uhr steigt in der Stormarnhalle das erste Finale um die Norddeutsche Meisterschaft der weiblichen A-Jugend zwischen Titelverteidiger VfL Oldesloe und dem Hamburger Meister TuS Alstertal. Spiele dieser beiden Mannschaften sind Stormarns Handballfreunden ja nicht mehr ganz unbekannt, standen sich beide Teams doch schon im letzten Jahr im Nordfinale gegenüber.

Vor zwölf Monaten behielten dabei die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer das bessere Ende für sich. Im Hinspiel in der Stormarnhalle siegten die Oldesloerinnen dabei knapp mit einem Tor Differenz, so daß man für das Rückspiel schon ein Scheitern des VfL ins Kalkül zog, aber in Hamburg boten die Stormarnerinnen dann ihre wohl beste Saisonleistung überhaupt und sicherten sich mit einem begeisternden 19:16-Erfolg den Nordtitel und hatten damit, wie sich später herausstellte auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft die wohl höchste Hürde übersprungen.

Für das Spiel morgen aber zählt die Vergangenheit natürlich nicht mehr. Die Karten werden neu gemischt, und es wird sich herausstellen, wer dabei in diesem Jahr die meisten Trümpfe in der Hand hat. Nach den guten Leistungen der Schützlinge von Trainer Ulli Meyer in den Halbfinalspielen gegen Niedersachsenmeister MTV Wolfenbüttel ist uns aber um den VfL eigentlich nicht bange. Die Mannschaft hat gewiß keinen Grund sich zu verstecken und für die nötige Unterstützung der Mannschaft wird sicher wieder eine randvolle Stormarnhalle sorgen. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.4.1981

 

Sonnabend, 25. April 1981

Der Deutsche Meister fand nie zu seinem Spiel. 9:12 gegen TuS Alstertal, aber noch ist nichts verloren. In der Stormarnhalle drohten dem VfL alle Felle davonzuschwimmen, ehe in der Schlußphase noch ein Hoffnungsschimmer aufflackerte.

(mth) In ihrem Bemühen, die Norddeutsche Meisterschaft, die in den beiden letzten Jahren an die Trave ging, auch in diesem Jahr erfolgreich zu verteidigen. erlitt die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe im Hinspiel des Finales in der Stormarnhalle gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal einen Rückschlag. Die Truppe von Erfolgstrainer Ulli Meyer fand vor mehr als 400 Zuschauern zu kaum einer Zeit zu ihrer Normalform und mußte sich eine 9:12-Niederlage gefallen lassen.

Diese Niederlage – die erste in dieser Saison in einem Pflichtspiel überhaupt – aber wird die tüchtigen Oldesloer Mädchen gewiß nicht umwerfen. Sicher, es wäre töricht, nun etwa nicht ein Scheitern dir Oldesloer Erfolgsmannschaft für möglich oder wahrscheinlich zu halten. Dazu haben die Hamburgerinnen, die sich im wesentlichen auf die selben Spielerinnen stützen wie im vergangenen Jahr, als der VfL in zwei Spielen, ebenfalls im Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft, die Oberhand behielt, in der Stormarnhalle einen zu starken und geschlossenen Eindruck hinterlassen

Aber noch ist nicht aller Tage Abend, und noch besteht für den amtierenden Deutschen Meister durchaus die Möglichkeit, den Spieß noch einmal herumzudrehen. Drei Tore Rückstand aufzuholen sind zwar kein Pappenstiel, aber, wer die Mädchen um Mannschaftsführerin Andrea Güldenpfennig schon länger beobachtet, weiß, daß die Mannschaft, wenn sie erst einmal zu ihrem Spiel gefunden hat, noch ganz andere Dinge möglich macht.

Und noch eines: Niemand hätte Grund, der Mannschaft Vorwürfe zu machen, wenn in diesem Jahr nicht der Nordtitel in die Stormarner Kreisstadt ginge. Die Mannschaft hat auch in diesem Jahr toll gespielt und Erfolge errungen, an die viele andere Mannschaften kaum zu denken wagen und wir sind uns sicher, daß Andrea Güldenpfennig und Co., wenn es denn sein müßte, mit fliegenden Fahnen und erhobenen Hauptes die Segel streichen würde.

Aber soweit ist es, wie schon gesagt, noch lange nicht. Erst am nächsten Sonntag (Spielbeginn 17 Uhr in der Hansestadt) wird die endgültige Entscheidung fallen und bis dahin fließt noch eine Menge Wasser die Trave und Elbe hinunter. Bleiben wir also beim Hinspiel in der Stormarnhalle.

Der Auftakt verlief aus Oldesloer Sicht eigentlich normal. Die Alstertalerinnen gingen zwar durch Martina Klaßen, neben Nationalspielerin Nicola Plage eine der herausragenden Spielerinnen des Hamburger Meisters, mit 1:0 in Führung, aber Anja Bünger konnte diesen Rückstand postwendend ausgleichen.

Was dann allerdings in den nächsten Minuten folgte, war schon eher ein Grund zur Beunruhigung für die Oldesloer Fans. Da wurde nämlich deutlich, daß die eigene Mannschaft außerordentlich nervös wirkte, wobei vielleicht die Favoritenbürde, die dem VfL als Titelverteidiger zwangsläufig zugemessen wurde, ein wenig drückte. Der Gast aus der Hansestadt dagegen trumpfte selbstbewußt auf, legte eine aggressive Spielweise an den Tag und wußte auch hart und entschlossen zuzupacken.

Tore von Susanne Meier und Nicola Plage hatten den Gast schon mit 3:1 in Führung gebracht, ehe Andrea Güldenpfennig mit einem verwandelten Siebenmeter den zweiten Oldesloer Treffer anbrachte. Bis dahin waren aber immerhin schon mehr als zwölf Minuten vergangen, und die Oldesloer Mädchen hatten noch immer nicht zu ihrem Spiel gefunden. Statt dessen sah man bei ihnen immer wieder unkonzentrierte Abspielfehler und auch überhastete und schlecht getimte Würfe.

Das 4:2 durch Kerstin Majewski konnte Andrea Güldenpfennig mit einem Gewaltwurf zwar noch einmal auf 3:4 verkürzen, aber anschließend kam der Deutsche Meister nie wieder so dicht an den Gegner heran. Klaßen und Plage erhöhten auf 6:3 und dem 6:4 durch einen verwandelten Siebenmeter von Andrea Struppek – Andrea Güldenpfennig war zuvor mit einem solchen Strafwurf am Pfosten gescheitert – erhöhte Sonja Lange noch vor dem Seitenwechsel auf 7:4.

Nun hatte man es in der Vergangenheit schon häufiger erlebt, daß die VfL-Mädchen eine lange Anlaufzeit benötigten, ehe sie so recht in Schwung kamen und so sahen viele in diesem Rückstand noch keinen Grund zur Beunruhigung, baute man doch auf die Kampfkraft und Kondition des VfL. An beidem hat es die Mannschaft im zweiten Spielabschnitt dann auch nicht fehlen lassen, aber der Gegner ließ nicht locker und kämpfte bis zum Schlußpfiff entschlossen mit.

Streckenweise sah es dabei sogar danach aus, als würden dem VfL alle Felle davonschwimmen. Zunächst hatte der Gast durch Plage auf 8:4 erhöht, ehe Meike Schäfer und Heinke Juds auf 6:8 verkürzen konnte. Bis dahin war allerlei passiert, denn Andrea Güldenpfennig und Andrea Struppek scheiterten jeweils knapp mit Siebenmetern und auf der Gegenseite hielt Martina Pusch einen solchen Strafwurf von Nicola Plage. Dann aber drehte der Hamburger Meister noch einmal voll auf und zog durch Tore von Klaßen, Plage und Meiser (2) auf 12:6 davon.

Ein solcher Vorsprung, soviel war allen Betrachtern klar, würde schon nach dem Hinspiel die endgültige Entscheidung bringen, aber der VfL kämpfte unverdrossen weiter und Susanne Paetz, die nun mehr aus sich herausging. schaffte mit drei Treffern in Folge (darunter zwei eiskalt verwandelte Siebenmeter) noch eine deutliche Resultatsverbesserung, die für das Rückspiel noch viele Möglichkeiten offen läßt.

In der Schlußminute allerdings scheiterte auch Susanne Paetz mit einem Siebenmeter an der ausgezeichneten Gästetorhüterin Erika Stüven, so daß der VfL insgesamt vier vergebene Siebenmeter zu beklagen hatte. Eine Quote, die es bei der Truppe von Trainer Ulli Meyer sonst selten gegeben hat, aber auch hier besteht ja im Rückspiel noch die Chance zu einer Besserung. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 27.4.1981

 

Donnerstag, 30. April 1981

Noch haben die VfL-Mädchen nicht aufgegeben. Drei Tore Rückstand sind „viel Holz“, aber noch hat der VfL eine gute Chance. Die Truppe von Trainer Ulli Meyer steht in Alstertal vor ihrer schwersten Aufgabe.

(mth) Mit einer ganz neuen Situation hat in dieser Woche die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe fertig werden müssen. Die 9:12-Niederlage am letzten Sonnabend im ersten Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal mußte von der Mannschaft um Nationalspielerin Andrea Güldenpfennig erst einmal verdaut werden.

Es galt, in dieser Woche neue Kräfte zu sammeln, um mit der bestmöglichen Vorbereitung in das Rückspiel am Sonntag um 17 Uhr in der Alstertaler Halle in Hamburg-Fuhlsbüttel, ganz in der Nähe des Flughafens, zu gehen.

Die Ausgangsposition ist für die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer, daran kann kein Zweifel bestehen, so schlecht wie noch nie in den letzten Jahren. Aber die Mannschaft, die mit der souveränen Verteidigung des Landesmeistertitels und dem Vordringen in das Nordfinale schon wieder unglaublich viel erreicht hat, und, komme, was da kommen mag, stolz auf das schon Erreichte zurückblicken kann, hat die Flinte deshalb noch lange nicht ins Korn geworfen.

Drei Tore gegen eine so starke und homogene Mannschaft, wie sie der TuS Alstertal besitzt, aufholen zu müssen, sind zwar eine Menge Holz, aber im Sport und insbesondere im Handball ist sicher nichts unmöglich, zumal es für die Oldesloer Mädchen diese Vokabel in der Vergangenheit ohnehin nicht gegeben hat.

Trainer Ulli Meyer hat in dieser Woche mit seiner Mannschaft noch einmal hart und intensiv trainiert und wir sind uns sicher, daß er sich in taktischer Hinsicht einiges einfallen lassen wird, um die Niederlage vom letzten Sonnabend in der Stormarnhalle auszubügeln. Die grobe Marschrichtung ist dabei keinerlei Geheimnis. Der amtierende Deutsche Meister wird in Hamburg volles Risiko eingehen müssen, wenn er seine Chance auf eine erfolgreiche Verteidigung des Nordtitels behalten will.

Ulli Meyer wird sich in Alstertal auf die gleiche Mannschaft stützen, die das Hinspiel bestritt. Deike Eumann, die schon in der Stormarnhalle wegen einer Verletzung fehlte, wird auch in Hamburg nicht zur Verfügung stehen. Ansonsten aber hat der Oldesloer Erfolgstrainer „alles an Bord“ und er baut darauf, daß seine Truppe diesmal besser zu ihrem Spiel findet, als am letzten Sonnabend.

Wir sind uns sicher, daß die Mannschaft es an kämpferischem Einsatz nicht fehlen lassen wird, und zuzutrauen ist der prächtigen Truppe, wenn sie erst einmal richtig in Schwung gekommen ist, einfach alles. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an das letztjährige Nordfinale, ebenfalls gegen den TuS Alstertal, als der VfL das Hinspiel „nur“ mit einem Tor gewonnen hatte und von vielen auch schon damals abgeschrieben war und als die Oldesloer Mädchen dann im Rückspiel in Hamburg ihre wohl beste Saisonleistung vollbrachten und mit einem 19:16 wieder Nordmeister wurden.

Ein Sieg in dieser Höhe, den wir weiß Gott nicht berufen und vor allem nicht von den Mädchen verlangen wollen, würde am Sonntag dem Deutschen Meister schon reichen, weil in diesem Fall die auswärts mehr erzielten Tore den Ausschlag gegen würden.

Die VfL-Mädchen treten die Reise zu dem entscheidenden Spiel in Hamburg am Sonntag um 15 Uhr an der Stormarnhalle mit einem großen Reisebus an. Einige Plätze sind dabei für Schlachtenbummler noch frei. Interessenten sollten sich möglichst umgehend mit Ulli Meyer in Verbindung setzen. Schlachtenbummler, die mit dem eigenen Wagen oder öffentlichen Verkehrsmitteln die Halle erreichen wollen, sei eine rechtzeitige Anreise empfohlen, denn Zuschauerplatze sind in der Alstertaler Halle sehr rar, so daß Spätankommende das Pech haben könnten, draußen vor der Tür bleiben zu müssen. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1981

 

Sonntag, 3. Mai 1981

Die VfL-Mädchen verkauften sich teuer, aber: TuS Alstertal siegte auch im Rückspiel und schnappte Nordtitel weg. Die Truppe von Trainer Ulli Meyer war in der zweiten Halbzeit einer Wende nahe, mußte sich aber mit der Vizemeisterschaft begnügen.

(mth) Es hat nicht sollen sein! Die weibliche Handball-A-Jugendmannschaft des VfL Oldesloe verlor in Hamburg in der Sporthalle Alstertal auch ihr zweites Finalspiel um die norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal mit 7:9 (3:3), und konnte damit den Nordtitel, den sie in den beiden letzten Jahren errungen hatte, nicht erfolgreich verteidigen.

Zusammen mit dem 12:9-Hinspielerfolg haben die Alstertaler Mädchen bei zusammen 21:16 Toren einen klaren Erfolg erzielt, und niemand, der die zusammen 100 Minuten beobachtet hat, wird ernsthaft behaupten können, der Hamburger Meister hätte unverdient den Nordtitel geholt. Aber auch die Oldesloer Mädchen haben sich keine Vorwürfe zu machen. Die Mannschaft von Trainer Ulli Meyer hat sich insbesondere in Alstertal teuer verkauft, einen tollen Kampf geboten, und sie war streckenweise in der zweiten Halbzeit drauf und dran, dem Spiel noch eine Wende zu ihren Gunsten zu geben.

Gelegentlich fehlte nur ein wenig Glück, um den Gastgeber bei einem Vorsprung von zwei Toren das Fürchten zu lehren. Wenn es am Ende dann doch nicht gereicht hat, so lag das sicher nicht zuletzt an der glänzenden Alstertaler Torhüterin Erika Stüven, die mit einer ganzen Serie von Glanzparaden die VfL-Mädchen, und hier besonders Mannschaftsführerin Andrea Güldenpfennig, schier zur Verzweiflung brachte.

Aber der Vizemeistertitel ist ja schließlich auch etwas wert. Vier Landesmeisterschaften, zwei Nordtitel, zwei Deutsche Meisterschaften und nun zwei Vizemeisterschaften im Norden sind die hervorragende Ausbeute der Truppe von Trainer Ulli Meyer in den letzten vier Jahren. So erfolgreich hat sich unseres Wissens noch nie eine Oldesloer oder auch Stormarner Mannschaft geschlagen, und wer wollte es angesichts dieser imponierenden Bilanz wagen, nach den Niederlagen in den beiden Nordfinalspielen in diesem Jahr etwa „Steine“ auf die Mädchen zu werfen.

Die Mannschaft hat allen Grund, auch weiterhin erhobenen Hauptes durch die Weltgeschichte zu gehen, ja, sie hat auch in der Niederlage Größe bewiesen. Auch im Rückspiel in Alstertal hat sie sich nicht hinreißen lassen, den Erfolg etwa mit unfairen Mitteln zu suchen und nach der Niederlage flossen vereinzelt bei einigen Mädchen zwar ein paar Tränen um den entgangenen Erfolg, aber schon auf der Rückfahrt im Mannschaftsbus waren wieder fröhliche Lieder angesagt und es stellte sich heraus, was Kenner der Mannschaft schon immer gewußt hatten, daß die tolle Truppe nicht nur herausragende Siege großartig zu feiern weiß, sondern auch in Niederlagen den Anstand nicht verliert und sportliche Mißerfolge nicht mit Katastrophen oder ähnlich schrecklichen Dingen verwechselt.

Zum Spiel in Alstertal selbst: Für den VfL war die Ausgangslage klar. Nach der Niederlage im Heimspiel mit drei Toren Differenz mußte die Truppe in der Hansestadt alles auf eine Karte setzen, um weiter eine Chance auf die erfolgreiche Verteidigung der Nordmeisterschaft zu behalten. Insbesondere hatte man sich vorgenommen, dem aggressiven Spiel der Hamburgerinnen, das diese schon in der Stormarnhalle demonstriert hatten, und das sie auch im Heimspiel konsequent fortsetzten, mehr Forschheit entgegenzusetzen.

In der Deckung des VfL klappte dieses Vorhaben dann auch ausgezeichnet, denn es dauerte immerhin sechs Minuten, ehe sich die Alstertalerinnen durch die überragende Nicola Plage zum erstenmal erfolgreich durchsetzen konnten. Plages Treffer bedeutete auch das 1:0, denn der VfL-Angriff, in dem Andrea Güldenpfennig wie schon im Hinspiel resolut an spielerischer Entfaltung und aussichtsreichen Torwürfen gehindert wurde, hatte doch erhebliche Mühe, um sich in Szene setzen zu können.

Kam dennoch einmal ein Wurf durch die dichtgestaffelte Abwehr des Hamburger Meisters, so war deren Torhüterin Erika Stüven von Anbeginn an auf der Hut. Aber Martina Pusch auf der Gegenseite stand ihr in nichts nach. Sie parierte in der achten Minute einen Siebenmeter von Susanne Meier und gab ihrer Mannschaft damit Auftrieb.

Katja Schoppenhauer, in diesem Spiel von Anfang an eingesetzt, nutzte diesen Auftrieb in der zehnten Minute mit einem herrlichen Tor vom Kreis zum 1:1. Tore aber blieben in der ersten Halbzeit auch weiterhin Mangelware auf beiden Seiten. Die Alstertalerinnen erzielten überhaupt keinen einzigen Feldtreffer mehr bis zum Seitenwechsel, aber Nicola Plage verwandelte in der 11. und 13. Minute zwei Siebenmeter zum 2:1 und 3:1, während der VfL bei derartigen Exekutionen, wie schon im Hinspiel, eine für sie verheerende Ausbeute hatte.

Zunächst konnte Andrea Güldenpfennig Erika Stüven mit einem Strafwurf nicht überwinden und, nachdem inzwischen Heinke Juds (15 Minuten) und Katja Schoppenhauer (20. Minute) auf 3:3 ausgeglichen hatten, scheiterte unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff auch Katja Schoppenhauer mit einem Siebenmeter.

Bei dem 3:3-Halbzeitstand war eigentlich schon klar, daß der VfL das Spiel schon mit vier Toren Differenz gewinnen müßte, um noch Nordmeister zu werden, denn die geringe Torausbeute auf beiden Seiten ließ erwarten, daß bei einem eventuellen Drei-Tore-Sieg des amtierenden Deutschen Meisters die zwölf in Oldesloe erzielten Tore den Ausschlag für die Alstertalerinnen geben würden.

Der zweite Spielabschnitt begann für den VfL dann günstiger als die erste Hälfte. Heinke Juds brachte in der 27. Minute mit einem verwandelten Siebenmeter den VfL erstmalig in Führung und anschließend hatte der VfL sogar zwei Minuten Gelegenheit, mit Überzahl zu spielen, denn Kathrin Jetter mußte nach wiederholtem Foulspiel für zwei Minuten auf die Strafbank.

Die VfL-Mädchen wußten diesen Vorteil aber nicht zu nutzen, doch als der Gegner wieder komplett war, erhöhte Andrea Güldenpfennig auf 5:3. Nur noch ein Tor fehlte dem VfL jetzt zum völligen Ausgleich und der Gastgeber, man spürte es deutlich, begann nervös zu werden. Aber die Alstertalerinnen hatten ja noch ihre neben Torhüterin Erika Stüven herausragende Spielerin Nicola Plage, die ihrem Namen alle Ehre machte und für den VfL wirklich zur „Plage“ wurde. Als Meike Schäfer eine Zwei-Minuten-Strafe absitzen mußte, verkürzte sie auf 4:5.

Aber noch hatte der VfL lange nicht aufgesteckt. Andrea Struppek verwandelte in der 37. Minute einen Siebenmeter zum 6:4 und nachdem Susanne Meier im Gegenzug auf 5:6 verkürzt hatte, stellte Wiebke Rickert in der 38. Minute den Zwei-Tore-Vorsprung für den VfL wieder her.

Die folgenden vier Minuten waren dann außerordentlich hektisch, temperamentvoll und, im Nachhinein betrachtet, wohl ausschlaggebend für den Ausgang der Nordmeisterschaft. Der VfL haderte dabei ein wenig mit seinem Schicksal, denn zum einen konnte Andrea Struppek einen Siebenmeter in dieser Phase nicht unterbringen, und ein Treffer von Heinke Juds, die einen Abpraller im Netz unterbrachte, fand bei den beiden Schiedsrichtern aus Hamburg unverständlicherweise keine Anerkennung. Sie hatten sich offensichtlich dadurch irritieren lassen, daß Erika Stüven bei diesem Treffer benommen am Boden lag – sie war von dem vorangegangenen Wurf getroffen worden –, aber dafür konnte der VfL ja schließlich nichts.

Ein Drei-Tore-Vorsprung zu diesem Zeitpunkt hätte den Oldesloer Mädchen noch einmal alle Chancen eröffnet, zumal die Alstertalerinnen merklich nervös geworden waren. So aber nahm das Verhängnis auf der anderen Seite seinen Lauf. Sonja Lange und noch einmal Nicola Plage (mit Siebenmeter) glichen innerhalb von 60 Sekunden aus und damit war das Nordfinale in der Zusammenrechnung endgültig entschieden.

Die Oldesloerinnen kämpften zwar noch unverdrossen weiter und gingen wirklich mit fliegenden Fahnen unter, aber der letzte Druck war nun doch aus ihren Aktionen genommen. Wiederum Sonja Lange und noch einmal Nicola Plage mit einem Siebenmeter warfen dann sogar noch einen 9:7-Erfolg für die Hamburgerinnen auch im Rückspiel heraus, aber diese beiden Treffer machten den „Kohl“ dann auch nicht mehr „fett“, denn der Verlust der Nordmeisterschaft für die Truppe von Trainer Ulli Meyer war schon vorher perfekt.

Der VfL braucht sich wegen der Niederlage in Alstertal weiß Gott nicht zu schämen. Die Mannschaft, in der außer den schon genannten Spielerinnen noch Susanne Paetz und Anja Bünger zum Einsatz kamen – Heike Büttner und Anke Petersen wurden nicht eingesetzt und Deike Eumann war wegen ihrer Verletzung noch nichteinsatzfähig – hat großartig gespielt und gekämpft und ist letztlich an einem zu starken Gegner gescheitert.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.5.1981

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