Leserbrief von Viktor Bernecker an das Stormarner Tageblatt:

 

VFL Güldenpfennig

Der Frauenhandball des VFL Oldesloe stellt sich seit einigen Jahren sehr erfolgreich dar. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, daß dies einer einzigen Spielerin zuzuschreiben ist, Andrea Güldenpfennig!

Ich stelle die Behauptung auf: Man nehme eine Güldenpfennig und eine Hasenberg und stelle beide in eine durchschnittliche Bezirksligagemeinschaft, der Erfolg wäre der gleiche gewesen, oder er wurde es.

Mit einer so großen Ausnahmespielerin, wie Andrea Güldenpfennig, würden sich vielleicht einige Trainer schwertun, sie leistungsgerecht und mannschaftsdienlich einzusetzen.

Bis vor ca. 1 1/2 Jahren konnte man die unorthodoxe Spielweise des VFL ja noch verstehen, weil eben - abgesehen von drei bis vier Spielern - der Rest weder Oberliga-, geschweige Regionalligareife besaß. Alles, was auf der Platte passierte, trug die Handschrift von Andrea Güldenpfennig, egal wie der Trainer geheißen hätte. Ich habe jedenfalls in der Spielweise von Andrea Güldenpfennig keine taktischen Maßnahmen des Trainers gesehen. Alles war und ist individuelles Können einer Einzelnen. Selbst bei der Tatsache, daß sie keinen großen Trainingsfleiß besaß oder besitzt.

Seit der von mir genannten Zeit hat sich die Spielerqualität um ein hohes Maß positiv verändert. Es wäre eine Katastrophe für das restliche Mannschaftsgefüge, diese einseitige Spielweise beizubehalten.

Dieses System dient nicht Andrea, der Mannschaft oder dem VFL. Zum Beispiel: Ein Trainingsspiel oder Freundschaftsspiel, wie man die Begegnung gegen den Zweiglegisten Holstein-Kiel am 17.10. in der Heinrich-Vogler-Halle bezeichnen mag, war eine Offenbarung. Ohne Andrea Güldenpfennig und Antje Schütt (sonst in Bestbesetzung) wurden die VFL-Damen von den Holsteinern, die mit den beiden letzten A-Jugend-Jahrgängen antraten, demontiert. Hier spielte ein Bundeslegist gegen eine Bezirksligamannschaft. Ich will damit aufzeigen, daß es an der Zeit ist, Akzente zu setzen. Mir ist persönlich bekannt, daß sich einige Spielerinnen beim Trainer wegen zu geringem Spielanteil und falscher Positionen beschwert haben und andeuteten, den Verein oder die Mannschaft in Richtung Zweite zu verlassen.

Diese Unruhe bei solch einem Punktestand (10:2 Punkte) und 1. Tabellenplatz hätte man sich ersparen können, wenn bei Saisonbeginn ein offenes Wort gesprochen.worden wäre. Den Spielerkader auf 12 Mädchen zu beschränken. Den Spielerinnen klarmachen, daß es Leistungsunterschiede in der Mannschaft gibt und von vornherein den Spielanteil der Einzelnen klarzustellen. Mir ist bekannt, daß Spielerinnen das akzeptieren, andere aber den Verein verlassen hätten. Das wäre ehrlicher und fairer gewesen, als sich jetzt dem Druck der Einen oder der Anderen auszusetzen und ständig Kompromisse machen zu müssen. Dadurch einen Spielerwechsel mit geringerem Spielanteil aller, auch der Leistungsträger in Kauf zu nehmen. Es ist unbequem, aber ich spreche es trotzdem aus: In der jetzigen ersten Mannschaft haben höchstens 7 Spielerinnen Regionalligaformat. Für mich ist das die erste Aufstellung mit dem höchsten Spielanteil. Alles andere muß sich daran orientieren.

Dann wird es vielleicht einmal möglich sein, den Ball etwas länger durchzuspielen. Die Kreisläufer laufen mal Blocks für den Rückraum oder man versucht mal eine Außensperre, oder eine Spielverlagerung. Dies alles ist der Mannschaft völlig fremd. Es gibt ja eine Andrea Güldenpfennig. Die macht das schon. Wie kann es angehen, daß eine Dörte Knickrehm, die lebenlang Kreis gespielt hat und meiner Meinung nach die beste Kreisspielerin in der Landesjuniorenauswahl ist, als Rückraumspielerin aufgebaut wird? Das motorische Lernalter liegt bei 14 bis 15 Jahren. Darüber hinaus ist jede Weiterentwicklung sehr langsam und nicht mehr von Bedeutung. Dörte Knickrehm wird nie so eine gute Rückraumspielerin, wie sie es als Kreisspielerin gewesen ist.

Das gleiche trifft auf Kirstin Timm zu. Dieses Mädchen spielte immer dann stark, wenn ihr Trikot klatschnaß war. Obwohl der Trainer das wissen müßte, nimmt er sie schon weit vor ihrer Belastungsgrenze aus dem Spiel. Kirstin Timm hat einen viel zu geringen Spielanteil.

Daß Steffie Bernecker nicht das Selbstbewußtsein in Person ist, müßte auch bekannt sein. Es ist Aufgabe der Verantwortlichen, außer den handballtechnischen und theoretischen auch Führungsqualitäten zu zeigen.

Des weiteren kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, daß einige, trotz Dementis, die Meisterschaft anpeilen, und so wird auch gespielt. Achse Andrea Güldenpfennig, Hasi und Maren Schröder, alle anderen sind nur Statisten. Das kann nicht gutgehen. Wenn ja - wie und mit wem will man in der Zweiten Liga spielen, wenn eine Mittelmaßmannschaft wie Holstein-Kiel die Oldesloer zerpflückt?

Dieses Jahr hätte die Integration der Junioren-Landesauswahlspieler Dörte Knickrehm, Kirstin Timm und Steffie Bernecker in die Mannschaft zum Ziel gehabt. Mit den vorher genannten Spielerinnen Andrea Güldenpfennig, Andrea Hasenberg und Maren Schröder ein Bombenkern der Mannschaft. Auch die A-Jugend bietet neue Perspektiven. Spielerinnen, wenn sie richtig geführt werden, mit"Zweitligareife"!

Abschließend möchte ich sagen, und das ohne Hintergedanken: Ulli Meier hat viel für den VFL geleistet. Ihm Verdienst abzusprechen, wäre unfair. Er hat sich um den VFL verdient gemacht. Von mir aus kann er Trainer bleiben, so lange er will, nur nehme ich mir das Recht, als Zuschauer meine Meinung zu Sagen.

Viktor Bernecker

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