Der Vorstand ließ den Obmann allein handeln

Verpaßter Aufstieg in die Regionalliga, Trainer warf vorzeitig das Handtuch und Querelen hinter den Kulissen. So stellt sich die Situation bei den Oberliga-Handballdamen des VfL Oldesloe dar. Drei Wo-chen sind vergangen seit dem Rücktritt von Jörg Fischer. Der 39jährige Lehrer hatte nach knapp zweijähriger Tätigkeit das Handballtraineramt bei den Oberliga-Damen des VfL Oldesloe niedergelegt. „Das Vertrauensverhältnis zu Peter Stäcker ist zerstört, an eine weitere Zusammenarbeit ist nicht mehr zu denken", so lautete die Kernaussage des Briefes, den Fischer sich der Niederlage in Neustadt allen Spielerinnen und Abteilungsleiter Jürgen Dorn zugehen ließ.

Fischer hatte von Verhandlungen Stäckers über seine Nachfolge erfahren. Und in der Tat. Peter Stäcker (40) hatte ein, wenn auch nur informelles Gespräch mit Ingrid Fiets über ein mögliches Engagement in Oldesloe für die nächste Saison geführt, autorisiert durch das VfL-Präsidium. „Der stellvertretende Vorsitzende Helmut Gronewold, unser damaliger Ansprechpartner im Vorstand, hat mein Vorhaben in einer Sitzung angesprochen", sagt Peter Stäcker, Der Vorstand hatte sein Vorgehen hinter dem Rücken von Trainer Jörg Fischer gebilligt.

 

Jörg Fischer

.Es bestand die akute Gefahr, daß uns die halbe Mannschaft wegläuft, wenn nicht frühzeitig ein neuer Trainer für die nächste Saison gefunden würde", schildert Viktor Bernecker, dessen Töchter Stefanie (21) und Melanie (18) zum VfL-Team gehören. Der engagierte Handballfanatiker Bernecker („mir ist jedes Mittel recht, die Mannschaft zusammenzuhalten") hatte Betreuer Stäcker schon vor neun Monaten gebeten, Jörg Fischer zum Aufhören zu bewegen. Bernecker: „Menschlich habe ich ihn immer geschätzt, aber der Jörg ist auf der Bank einfach überfordert. Seine taktischen Fehler waren haarsträubend."

Aber wo war zu diesem Zeitpunkt die Abteilungsleitung? — „Ich stecke mich grundsätzlich nicht in die Belange einzelner Mannschaften", stellt Handball-Chef Jürgen Dom klar. Eine liberale Aussage, die nützlich sein mag für das Gros der VfL-Teams. Für den Leistungsbereich, dem die VfL - Damen, zumal bei Regionalliga-Ambitionen, zweifellos angehören, ist sie jedoch untauglich und suggeriert sogar Desinteresse des Vereins an der Entwicklung dieser Mannschaft.

Der Fall Fischer (Dorn: Ich war bei jedem Training anwesend und habe keine Probleme wahrgenommen") wurde so zur Aufgabe für Mannschaft, Betreuer und einein Vater, der eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Doch keine dieser Instanzen zeigte sich ihr gewachsen.

Viktor Bernecker wollte nicht. Die Mannschaft, nimmt man einmal Andrea Hasenberg und Heinke Juds heraus, ein „Kindergarten" mit einem Durchschittsalter von 19,5 Jahren, war nicht in der Lage, dem menschlich akzeptierten Trainer entgegenzutreten, und Peter Stäcker versagte. Trotz vierjähriger Freundschaft zu Jörg Fischer gab es kein Gespräch. Obwohl beide regelmäßig Vor- und Nachbereitungen der Punktspiele abhielten. „Er hätte dann den Kram sofort hingeschmissen", sagte Stäcker.

 

Peter Stäcker

Fischer, der mit dem VfL Team bis Anfang Februar mit vier Punkten Vorsprung die Oberligatabelle angeführt hatte, wurde wider besseren Wissens im Glauben gelassen, es wäre alles in Ordnung. „Das Klima zwischen mir und den Mädchen war bis auf die normalen kleinen Querelen, die es in jeder Mannschaft gibt, gut. Eine superdufte Truppe", so Fischer. „Ich hatte mich schon entschieden, noch ein Jahr dranzuhängen." Bis zum Spiel gegen Neustadt.

Dort kam es zum Eklat, als der das Spielprotokoll führende Peter Stäcker Auswechslungen Fischers lautstark kritisierte und daraufhin von jenem zur Mäßigung aufgerufen wurde. Der sportlich Verantwortliche Jörg Fischer handelte, der Hobby-Handballer Stäcker warf drauf „seinem Freund" die Schreibunterlage vor die Füße. Der Bruch war perfekt.

Die jetzige Mannschaft ist da offensichtlich anderer Ansicht. Bis auf die zweite Torhüterin hat sich bisher keine Spielerin zurückgezogen. Gegen Oldenburg, Wittorf und Bad Schwertau spielten man unter Stäckers Regie. „Wenn es der neue Trainer will, werde Ich als Betreuer auch in der nächsten Saison mit auf der Bank sitzen oder anderweitig für die Mannschaft tätig sein", sagt Stäcker.

Ahrensburger Zeitung - im Frühjahr 1988

Neue Trainerin

Die Spatzen pfiffen es schon von den Dächern, seit dem letzten Donnerstag ist es offiziell. Ingrid Schilk, geborene Fietz, ist neue Trainerin des Frauen-Oberliga Team des VfL Oldesloe. Nach den Querelen um den Ex-Coach Jörg Fischer wurde Betreuer Peter Stäcker auf der Suchemnach einem Ersatz schnell fündig. die ehemalige Bundesligaspielerin, sie stieg mit der SG Jarplund-Weding in die Bundesliga auf, wird bereits Anfang April die Leitung des Trainings übernehmen. Im Vordergrund steht erst einmal intensives taktisches und technisches Training, die konditionelle Arbeit beginnt nachden Sommerferien, in denen die Hallen in Bad Oldesloe geschlossen sind.Dafür wird Ehemann Claus Schilk zuständig sein, denn Ingrid Schilk erwartet im Juli ein Baby. Sie wird nach einer kurzen Erholungsphase wieder das Kommando übernehmen. Beim VfL hofft man, daß sie auch selbs ins Spielgeschehen eingreift, ihre Routine könnte das junge Oldesloer Team noch stärker machen.

 

Ingrid Schilk

Die Trainerin kann auf dieselben Spielerinnen zurückgreifen, die in der vergangenen Spielzeit die Vizemeisterschaft errangen. Zwar haben einige andere Vereine bei den Schlüsselspielerinnen des VfL wie Melanie Bernecker, Dörthe Knickrehm und nach der guten Saison auch bei Heinke Juds angeklopft - so soll es z.B. eine Standleitung von Holstein Kiel zur Famileie Bernecker gegeben haben, doch der gute Teamgeist hielt alle in Bad Oldesloe.

Lübewr Nachrichten

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