Freitag, 16. Mai 1980
Sonntag 15 Uhr ist es wieder so weit: VfL-Mädchen erwartet ein heißer Tanz. Westmeister TG Oberlahnstein Gegner im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft.

(mth) Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft der weiblichen Handball-A-Jugend trifft der Norddeutsche Meister VfL Oldesloe wie im letzten Jahr auf seinem erfolgreichen Weg zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft auf den Vertreter des Regionalverbandes West. Anders als im Norden, wo sich die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer mit imponierenden Leistungen erneut durchsetzten, hat es im Westen einen neuen Titelträger gegeben. Nicht der RSV Mühlheim, der in Bad Oldesloe wegen seiner rauhen Gangart noch in unangenehmer Erinnerung ist, konnte sich in diesem Jahr durchsetzen, sondern die TG Oberlahnstein.

Anders als im letzten Jahr tritt der VfL Oldesloe im ersten Spiel des Halbfinales nicht beim Gegner an, sondern genießt zunächst Heimrecht. Manchem unbefangenen Betrachter mag diese Ansetzung für die Oldesloer Mädchen als Nachteil erscheinen – wie beim großen „Bruder“, dem Fußball-Europapokal, haben es die meisten Mannschaften auch im Handball lieber, zunächst auswärts anzutreten, um dann vor eigenem Publikum alles klar machen zu können –, aber wir sind sicher, daß sich die Truppe um Mannschaftsführerin Antje Schütt von solchen Äußerlichkeiten nicht beeinflussen lassen wird.

Gerade in den letzten Spielen hat sie in auswärtigen Hallen weit weniger Nervosität an den Tag gelegt als in eigener Halle, so daß sie selbst dann nicht aussichtslos zum Rückspiel am Pfingstsonntag reist, wenn das Spiel am Sonntag um 15 Uhr in der Stormarnhalle nicht ganz das gewünschte Resultat bringen wird.

Aber soweit sind wir ja bisher noch lange nicht. Die Oldesloerinnen gehen natürlich mit dem erklärten Ziel in das Hinspiel, wenn irgend möglich ein beruhigendes Polster für das Rückspiel herauszuspielen. Seit dem imponierenden Sieg im Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft bei TuS Alstertal hat die Mannschaft in den beiden letzten Wochen intensiv trainiert, und befindet sich nach Auskunft von Trainer Ulli Meyer in bester Verfassung.

Beim Training am Dienstag dieser Woche zog sich Susanne Paetz zwar eine Verletzung an ihrer Wurfhand zu, der Oldesloer Coach ist aber zuversichtlich, sie am Sonntag dennoch einsetzen zu können. Alle anderen Spielerinnen sind ohnehin topfit und werden sicher alles tun, um den großen Erfolg des letzten Jahres zu wiederholen.

Bei den Oldesloerinnen ist man sich dabei darüber im klaren, daß ihnen eine ganz schwere Aufgabe ins Haus steht. Der Gegner aus Oberlahnstein konnte bislang zwar noch nicht beobachtet werden, aber es ist bekannt, daß in seinen Reihen drei Spielerinnen stehen, die beim letzten Lehrgang des Deutschen Handballbundes, an dem ja auch Andrea Güldenpfennig hatte teilnehmen sollen, die dann wegen des Entscheidungsspieles um die schleswig-holsteinische Landesmeisterschaft aber verzichtete.

Drücken wir also den großartigen Mädchen um Mannschaftsführerin Antje Schütt für die schwere Aufgabe die Daumen. An der nötigen Unterstützung durch das Oldesloer Publikum wird es der Mannschaft sicher nicht fehlen. Nachdem schon zum Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft mehr als 500 zahlende Zuschauer in die Stormarnhalle gekommen waren, rechnet man beim VfL für Sonntag mit wenigstens 700 Besuchern.

Mit der endgültigen Terminierung dieses Spiels hatte es im übrigen kleine Schwierigkeiten gegeben, denn eigentlich war die Stormarnhalle das ganze Wochenende von den Badmintonspielern des VfL mit Beschlag belegt. Sie erklärten sich aber bereit, am Sonntagnachmittag in die Sporthalle des Fachgymnasiums umzuziehen, obwohl das für sie mit nicht unerheblichen organisatorischen Belastungen verbunden ist.

Ein besonderes Opfer bringt wie im letzten Jahr Trainer Ulli Meyer für seine erfolgreiche Truppe. Eigentlich wollte er am Sonntag zu einem schon gebuchten Griechenland-Urlaub aufbrechen, aber für seine Mädchen verzichtete er wiederum darauf. Dabei wäre er glücklich, wenn er kurzfristig noch einen Nachfolger für seine schon abgeschlossene Reise finden könnte. Wer Lust und Zeit hat, für 14 Tage nach Griechenland aufzubrechen, sollte sich mit ihm rasch in Verbindung setzen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.5.1980

19.5.1980 (ST) - Sieg hätte noch klarer ausfallen können
VfL-Mädchen stehen mit einem Bein schon im Finale

Gegen TG Oberlahnstein war Andrea Güldenpfennig die herausragende Spielerin

Mit wenigstens einem Bein steht die weibliche Jugend A des VfL Oldesloe erneut im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Im Hinspiel des Halbfinales bezwang man den Westmeister TG Oberlahnstein mit 12:8 (6:4) und dieser Vorsprung ist für das Rückspiel doch schon ein recht beruhigendes Polster, zumal die Gäste über weite Strecken der Partie mit dem VfL spielerisch nicht mithalten konnten. Wäre er amtierende Deutsche Meister vor allem in der zweiten Halbzeit noch konzentrierter zur Sache gegangen, hätte erschon im Hinspiel auch den letzten Zweifel ausräumen können, aber auch so hat man bei den Oldesloerinnen allen Grund, die Reise in den Westen gelassen anzutreten.

In der im großen und ganzen sehr fairen Partie - es gab nicht eine Zeitstrafe - dauerte es geschlagene vier Minuten, ehe der erste Treffer fiel. Bis dahin war der VfL noch nicht einmal in Ballbesitz gekommen, denn die Oberlahnsteinerinnen zogen sofort ein ausgesprochenes "Breitwandspiel" auf, ohne dabei ersichtlich auf einen Torerfolg aus zu sein.

Das lag sicherlich nicht nur an ihrer eigenen Mutlosigkeit zu Würfen aus der zweiten Reihe und zu druckvollen Kombinationen, sondern auch an der aufmerksamen Deckungsarbeit des VfL. Nach vier Minuten hatten die Unparteiischen ein Einsehen und brachten den VfL durch die Zeitspielregel in Ballbesitz und es dauerte keine 10 Sekunden, bis Andrea Güldenpfennig das 1:0 erzielt hatte. Sie deutete damit schon an, in welch hervorragender Verfassung sie sich befand, mit der sie im späteren Spielverlauf fast allein den Gegner zur Verzweiflung brachte.

Zunächst aber einmal traten auch noch andere Spielerinnen ans Rampenlicht. Andrea Struppeck erhöhte in der 7. Minute auf 2:0 und Anja Müller besorgte mit einem Gewaltwurf nur 60 Sekunden später das 3:0. Schon zu dieser zeit schien alles auf einen deutlichen Sieg des VfL hinzudeuten, denn die Westdeutschen mühten sich auch weiterhin, ein Mittel gegen den VfL-Abwehrblock zu entwickeln.

Bis zur 13. Minute mussten sie warten, ehe ihre bei weitem stärkste Spielerin, Kerstin Zulauf, die zwei Minuten vorher schon den Pfosten getroffen hatte, ihren ersten Treffer zum 3:1 anbringen konnte. Maike Schäfer stellte aber postwendend den alten Abstand wieder her und auch das zweite Tor der Gäste in der 18. Minute wurde von Andrea Güldenpfennig noch in derselben Minute mit einem VfL-Treffer beantwortet. Dieser Treffer kam dabei auf etwas kuriose Art und Weise zustande, denn der VfL-Angriff war schon abgefangen, aber Andrea Güldenpfennig fing den Abwurf der Torhüterin kurz vor deren Torraum ab und vollstreckte mit einem Wurf, den Fußballer bei Einwürfen anzuwenden pflegen.

Schon während dieses Spielabschnittes hatte sich gelegentlich gezeigt, dass der VfL sich von der langsamen und umständlichen Spielweise des Gegners "einlullen" ließ und in den letzten Minuten bis zum Seitenwechsel wurden diese Symptome noch deutlicher. Kerstin Zulauf verkürzte auf 4:5 in der 23. Minute, ehe Andrea Güldenpfennig mit einem verwandelten 7m das sechste Tor des VfL erzielte.

In der zweiten Halbzeit sollte das langatmige Spiel durch mehr Aggressivität unterbunden werden. Andrea Güldenpfennig agierte nun vor der Deckung und beschattete nun besonders "liebevoll" Kerstin Zulauf. Mit diesem neuen Konzept konnten sich die Oberlahnsteiner Mädchen überhaupt nicht anfreunden, und innerhalb nur weniger Minuten war endgültig dem letzten der rund 600 Zuschauer - das herrliche Sommerwetter hatte sicher viele Handballfreunde vom Besuch des Spieles abgehalten - klar, wer das Spielfeld als Sieger verlassen würde.

Ein wiederum sicher verwandelter 7m durch Andrea Güldenpfennig (26. Minute) brachte das 7:4, anschließend hielt Martina Pusch einen 7m. Andrea Güldenpfennig wurde immer besser und verwandelte einen Tempogegenstoß zum 8:4 und in der 32. Minute einen weiteren 7m zum 9:4. Nach einem Gegentor war es wiederum, man braucht es kaum noch zu erwähnen, Andrea Güldenpfennig, die zum 10:5 in der 36. Minute erhöhte. Spätestens hier drohte der Westmeister endgültig auseinander zu brechen.

Nicht nur auf dem Spielfeld, auch auf der Bank wurden nun Fehler gemacht. Als der Mannschaft in der 37. Minute ein 7m zugesprochen wurde, hatte niemand mehr - insbesondere die auserkorene Schützin Kerstin Zulauf - die rechte Traute. Darauf lief der Gästetrainer persönlich auf das Spielfeld, um seine Spielerin zu überreden.

Die Folgen waren fatal. Der Trainer musste wegen des klaren Regelverstoßes die Halle verlassen und der 7m wurde obendrein nicht verwandelt. Wie man so etwas macht, zeigte auf der Gegenseite Andrea Güldenpfennig, die in der 42. Minute das 11:5 erzielte, aber dieses Beispiel färbte auf den Westmeister nicht ab. Einen weiteren 7m konnte Martina Pusch entschärfen, auch hier musste die Oberlahnsteiner Spielerin zur Exekution überredet werden.

In diesen Minuten versäumte es der VfL endgültig, den Sack zuzumachen. Zu viele Spielerinnen (Martina Ivens, Antje Schütt, Anja Bünger und Susanne Paetz) meinten nun, leichtes Spiel zu haben und ließen sich zu überhasteten Würfen hinreißen und bis zur 49. Minute konnten die Gäste auf 11:8 verkürzen, ehe Anja Müller in den Schlusssekunden den Vorsprung auf vier Tore ausdehnte zum Endstand von 12:8.

 

Mittwoch, 21. Mai 1980
Handballmädchen: Wieder Mitfahrgelegenheit.

(mth) Zum Rückspiel des Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft der weiblichen Handball-A-Jugend zwischen TS Oberlahnstein und dem VfL Oldesloe, das am Pfingstsonntag um 15 Uhr in der Sporthalle des Johannes-Gymnasiums in Niederlahnstein ausgetragen wird, wird der VfL Oldesloe wieder mit einem großen Reisebus fahren und es besteht wieder für Fans die Möglichkeit. die Reise mitzumachen. Die Abfahrt ist für Sonnabend um 8 Uhr an der Stormarnhalle vorgesehen. Die Rückkehr wird am Pfingstmontag erfolgen. Einschließlich zweier Hotelübernachtungen beträgt der Preis für die Mitfahrer 73 Mark. Interessenten sollten sich möglichst umgehend bei Ulli Meyer melden. Das zweite Halbfinale zwischen den Reinickendorfer Füchsen und Südwestmeister TSV Krofdorf-Gleiberg endete am letzten Sonntag mit einem 12:9-Erfolg für die Berliner Mädchen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.5.1980

 

Freitag, 23. Mai 1980
Vor dem Halbfinal-Rückspiel. Zu Überheblichkeit besteht kein Anlaß … aber mit konzentrierter Leistung sollte es für die VfL-Mädchen reichen.

(mth) Schafft die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe auch in diesem Jahr wieder den Sprung ins Finale um die Deutsche Meisterschaft? Die Voraussetzungen für die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer sind vor dem Halbfinal-Rückspiel am Pfingstsonntag um 15 Uhr bei Westmeister TG Oberlahnstein denkbar günstig.

Das Hinspiel am letzten Sonntag in der Stormarnhalle haben die Oldesloerinnen bekanntlich mit 12:8 für sich entschieden, und dabei hinterließen die Oberlahnsteinerinnen nicht den Eindruck, als sollten sie in der Lage sein, diesen Vier-Tore-Rückstand noch wettzumachen.

Vorsicht ist allerdings für den VfL dennoch geboten, denn der Westmeister hat bei seinen Spielen um die Meisterschaft in seinem Regionalverband bewiesen, daß die Mannschaft in eigener Halle zu wesentlich besseren Leistungen fähig ist, als sie dieses in Bad Oldesloe zu zeigen vermochte. Bei den Spielen um die Westdeutsche Meisterschaft jedenfalls hat die TG Oberlahnstein ihre Heimspiele immer klar für sich entschieden, während es in Auswärtsbegegnungen das eine oder andere Mal haperte.

Die Mädchen um Mannschaftsführerin Antje Schütt werden also gut daran tun, auch in das Rückspiel mit voller Konzentration in zu gehen Zu Überheblichkeit besteht auch angesichts der Vier-Tore-Vorsprungs keinerlei Anlaß. Hauptaufgabe für den VfL, das wurde schon im Hinspiel deutlich, wird es sein, den Wirkungskreis von Kerstin Zulauf, der mit Abstand stärksten Spielerin des Westmeisters, einzuschränken.

Trainer Ulli Meyer wird dabei voraussichtlich erst kurz vor Spielbeginn entscheiden, mit welcher Deckungsformation – ob 6:0 oder 5:1 – er dieses Ziel erreichen will. Im Hinspiel haben sich eigentlich beide Varianten, die je für eine Halbzeit praktiziert wurden, bewährt. Voraussetzung für das Funktionieren ist natürlich, daß die VfL-Mädchen ähnlich konsequent zur Sache gehen wie in der Stormarnhalle.

Abgesehen davon, daß der amtierende Deutsche Meister wie erwähnt keinen Grund hat, die Angelegenheit überheblich oder nachlässig anzugehen – wozu die Mädchen im übrigen nicht neigen –, hat er natürlich allen Grund, die Sache zuversichtlich und gelassen auf sich zukommen zu lassen. Die Mannschaft hat auch in dieser Woche sich wieder intensiv auf das Spiel vorbereitet – am Mittwoch und Donnerstag wurde jeweils eineinhalb Stunden hart trainiert – und personell gibt es keinerlei Probleme. Auch Susanne Paetz, die am letzten Sonntag mit ihrer verletzten Wurfhand doch ersichtliche Probleme hatte, ist soweit wiederhergestellt, daß sie ohne Beschwerden aufspielen kann.

Spielt die Mannschaft in der Abwehr ähnlich konzentriert wie im Hinspiel, und läßt sich im Angriff nicht zu überhasteten Würfen aus wenig aussichtsreichen Positionen hinreißen – solche „Einlagen“ verhinderten am letzten Sonntag einen noch klareren Sieg – hat sie wirklich alle Chancen, erneut nach der höchsten Krone zu greifen.

Wer im dann anstehenden Endspiel der Gegner sein wird, erfährt die Mannschaft schon am Sonnabendabend. Auf der Reise nach Oberlahnstein – das Spiel findet im übrigen im Nachbarort Niederlahnstein um 15 Uhr in der Sporthalle des Johannes-Gymnasiums statt – die der VfL bereits am Sonnabend um 8 Uhr von der Stormarnhalle aus antritt, wird die Mannschaft nämlich in Krofdorf (bei Gießen) Halt machen, wo um 19 Uhr das zweite Halbfinal-Rückspiel zwischen Südwestmeister TSV Krofdorf-Gleiberg und dem Berliner Vertreter, den Reinickendorfer Füchsen, stattfindet. Das Hinspiel hatten die Berlinerinnen mit 12:9 für sich entschieden.

Im Reisebus, mit dem die VfL-Mädchen zu ihrer großen Aufgabe aufbrechen sind im übrigen noch immer einige, wenige Plätze frei für Schlachtenbummler. Interessenten sollten sich möglichst umgehend mit Ulli Meyer in Verbindung setzen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.5.1980

 

25.5.1980 (ST)
Die großartigen VfL-Mädchen wieder im Finale
Mit einer tollen Leistung besiegten die Oldesloerinnen den Westmeister TG Oberlahnstein auch im Rückspiel glatt


Der Schlachtruf "und das war Spitze" ist zwar nicht eigens für die weibliche Jugend A des VfL Oldesloe erfunden worden, sondern von der recht kleinen, dafür aber um so stimmgewaltigeren Schlachtenbummlergruppe, die den VfL begleitete zum Rückspiel beim Westmeister TG Oberlahnstein nur übernommen worden. Aber noch selten wohl ist dieser Schlachtruf in seinem Sinngehalt so zutreffend gewesen, wie bei diesem Spiel. Mit einem imponierenden 18:14 Erfolg sicherte sich die Mannschaft erneut die Teilnahme am Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, in dem die Reinickendorfer Füchse aus Berlin der Gegner sind.

Nach dem 12:8 Hinspielerfolg kommt der neuerliche Sieg der Oldesloer Mädchen zwar nicht mehr überraschend, bei einer solchen Einschätzung aber muss berücksichtigt werden, dass der Westmeister anders als im Hinspiel, als der VfL doch verhältnismäßig leichtes Spiel hatte, in eigener ganz anders aus sich herausging und Partner für ein Spiel wurde, das eine echte Werbung für den Handballsport war. Die Oldesloer Mädchen ihrerseits ließen sich von der Leistungssteigerung der Oberlahnsteinerinnen nicht beeindrucken, legten noch ein paar "Briketts" zu und boten neben dem Rückspiel um die norddeutsche Meisterschaft ihr wohl bestes Spiel in dieser Saison.

Nach der alles überragenden Leistung von Andrea Güldenpfennig im Hinspiel vor einer Woche hatte sich der Westmeister für das Rückspiel eine neue taktische Variante einfallen lassen. Um sich von Andrea nicht noch einmal an der Nase herumführen zu lassen, hatte man ihr mit Beate Müller eine Sonderbewacherin zugeordnet. Mit dieser Maßnahme glaubte man, dem VfL die Krallen gezogen zu haben, aber der taktische Kniff erwies sich im Spiel schnell als ein höchst zweischneidiges Schwert. Der wirkungsgrad von Andrea Güldenpfennig im eigenen Angriffsspiel konnte zwar erheblich eingeschränkt werden, ohne, dass das VfL-Ass deswegen etwa ausgeschaltet wurde, auf der anderen Seite fingen nun VfL-Spielerinnen mit gefährlichen Torwürfen an, mit denen man auf Oberlahnsteiner Seite nicht gerechnet hatte.

Schon in der ersten Minute eröffnete Anja Müller den Torreigen und nur eine Minute später erhöhte Antje Schütt auf 2:0. Anders als im Hinspiel, als der Westmeister vornehmlich durch Mutlosigkeit zu Torwürfen auffiel, machte er von sich aus das Spiel schneller und sparte auch nicht mit Würfen aus der zweiten Reihe, aber auf einen Torerfolg mussten die Gastgeberinnen noch etwas warten, weil die VfL-Deckung erneut sehr konzentriert arbeitete und Torhüterin Martina Pusch wieder einen glänzenden Tag hatte.

Zunächst war noch einmal der Nordmeister mit dem 3:0 an der reihe, dass Andrea Güldenpfennig in der dritten Minute mit einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß erzielte. Erst darauf erzielte Kerstin Zulauf den ersten Treffer für ihre Farben.

In den folgenden sieben Minuten fiel dann auf beiden Seiten kein Treffer mehr. Zwischendurch machte der Westmeister deutlich, dass er das 7m.Werfen auch in der Zwischenzeit nicht gelernt hatte. Besser machte es da Andrea Güldenpfennig in der 11. Minute. Nach einem Gegentreffer erzielten dann innerhalb weniger Sekunden Antje Schütt und Andrea Güldenpfennig die Tore zum 6:2 da war eigentlich endgültig geklärt, welche von den beiden Mannschaften das Finale erreichen würde.

Nur ein Wunder hätte die Wende bringen können. Bei allen Bemühungen der Oberlahnsteinerinnen, die anerkennenswerterweise nie aufsteckten und verbissen fighteten, blieb es bis zur Pause bei einem Vorsprung von vier Toren für den VfL.

Im zweiten Spielabschnitt nahm das ohnehin schon gutklassige Spiel an Niveau zu. Die TG legten nun auch ihre letzten Hemmungen ab. Sie glaubten zwar auch nicht mehr daran, noch das Finale schaffen zu können, wollten sich aber zumindest in ihrem Heimspiel nicht vom VfL vorführen lassen.

Aber die VfL-Mädchen dachten nicht daran, etwas zu verschenken. Sie wollten nicht nur das Finale erreichen, sondern auch das zweite Halbfinalspiel unbedingt mit einem Sieg abschließen. Leicht in Gefahr, den klaren Vorsprung doch noch zu verlieren, geriet der VfL noch zweimal, als der Gastgeber auf 11:13 (37.Minute) bzw. 12:14 (43. Minute) herankam, aber stets war der Nordmeister wieder rechtzeitig zur Stelle, um die Fronten wieder zu klären.

Es wurde auf Oldesloer Seite sogar noch verstärkt gewechselt. In den Schlussminuten hatte der VfL nicht nur die besseren Nerven, sondern auch die bessere Kondition und baute den Vorsprung wieder auf vier Tore aus. Kreisläuferin Wiebke Rickert, die sonst eigentlich höchst selten als Torschützin in Erscheinung tritt, erzielte dabei die letzten drei VfL-Tore ganz allein.

Dem VfL darf man für das Spiel in Oberlahnstein wieder einmal ein großes Gesamtlob aussprechen Die Mannschaft hat erneut bewiesen, dass sie sich ernorm zu steigern weiß, wenn sie von ihrem Gegner gefordert wird. Sie braucht sich hinter ihrer ruhmreichen Vorgängerin weiß Gott nicht zu verstecken und hat sicher alle Chancen, den Meistertitel erneut an die Trave zu holen.

Die Reinickendorfer Füchse werden im Endspiel zwar ganz gewiss ein ernstzunehmender Gegner sein - der VfL konnte sich davon am Samstag überzeugen - aber mit gleichem Schwung und Elan wie in den letzten Spielen ist auch diese Hürde zu meistern.

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