Freitag, 25. April 1980

Sonntag erstes Nordfinale

Kein „Spaziergang“ für die VfL-Mädchen

Gegner TuS Alstertal verfügt über eine kampf- und spielstarke Truppe

(mth) Nach der erstaunlich leicht überstandenen Vorrunde um die Norddeutsche Meisterschaft – Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg wurde in Hin- und Rückspiel jeweils deutlich distanziert – wird der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe keine Verschnaufpause gegönnt. Bereits am Sonntag steigt um 17 Uhr in der Stormarnhalle das erste Endspiel um den Nordtitel. Gegner der Oldesloerinnen ist der Hamburger Meister TuS Alstertal, der in der anderen Vorrunde gegen Bremens Meister SV Werder ähnlich klar wie der schleswig-holsteinische Meister die Oberhand behielt.

Ein „Spaziergang“ wie gegen den TV Cloppenburg steht den Oldesloer Mädchen dabei ganz gewiß nicht ins Haus. VfL-Trainer Ulli Meyer war am letzten Sonntag in Hamburg Augenzeuge des Rückspieles zwischen TuS Alstertal und SV Werder Bremen, das die Hamburgerinnen mit 9:7 für sich entschieden, nachdem sie schon das Hinspiel mit 14:8 an der Weser gewonnen hatten, und er war äußerst beeindruckt von der Spielstärke des kommenden Gegners.

TuS Alstertal, so der Coach des amtierenden Deutschen Meisters, verfügt über eine physisch ungemein starke Truppe, die von der ersten bis zur letzten Minute auf's Tempo drückt. Die größte Gefahr geht dabei von wurfstarken Rückraumspielerinnen aus. Auf sie wird die Deckung des VfL, die in den letzten Spielen ja nicht in allen Szenen sattelfest war, besonderes Augenmerk legen müssen.

Im übrigen ist man im Lager des VfL guter Dinge. Die Mannschaft hat in der Woche noch an zwei Tagen intensiv trainiert, und wer die gute Moral kennt, die in der Truppe herrscht, ist sich schon jetzt sicher, daß sie alles Erdenkliche versuchen wird, um nach dem Landesmeistertitel nun auch die Norddeutsche Meisterschaft erfolgreich zu verteidigen.

Probleme bei der Aufstellung hat sie dabei nicht. Alle Spielerinnen des Stammaufgebots sind gesund und munter und werden im Endspiel mit von der Partie sein. Die Mannschaft sollte sich dabei nicht unter zu hohen Erwartungsdruck von außen stellen lassen. Schon jetzt hat sie weit mehr erreicht, als man von ihr eigentlich erwarten konnte und sich als würdiger Nachfolger der letztjährigen Meisterschaft erwiesen.

Die Mannschaft, Trainer und Betreuer sind sich darüber im klaren, daß das Hinspiel in eigener Halle möglichst mit einigen Toren Vorsprung beendet werden muß, wenn man mit guten Aussichten in das sechs Tage später stattfindende Rückspiel in der Sporthalle Alstertal im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel gehen will.

Die nötige Unterstützung vom Oldesloer Publikum, da sind wir ganz sicher, wird der Mannschaft wohl nicht fehlen. Wir jedenfalls erwarten wieder eine bis zum Bersten gefüllte Stormarnhalle. Eintrittskarten sind auch zu diesem Spiel wieder nur an der Tageskasse erhältlich.

Um frühzeitig eintreffenden Zuschauern die Wartezeit zu verkürzen, ist ab 15.45 Uhr ein Vorspiel zwischen den Minimädchenmannschaften des VfL Oldesloe und dem SV Todesfelde, dem Heimatverein von Mannschaftsführerin Antje Schütt, vorgesehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.4.1980

 

Sonntag, 27. April 1980
Verteidigung des Nordtitels wird für den VfL noch ein hartes Stück Arbeit.

Im ersten Endspiel gelang den Oldesloer Mädchen ein knapper 10:9-Sieg.

(mth) Wenn die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe nach der Landesmeisterschaft auch die Norddeutsche Meisterschaft erfolgreich verteidigen, und sich damit erneut für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft qualifizieren will, steht ihr in jedem Fall noch ein hartes Stück Arbeit ins Haus. Gut 700 Zuschauer waren in der Stormarnhalle im Hinspiel des Finales um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal Zeuge eines hauchdünnen 10:9-Erfolges der Schützlinge von Ulli Meyer. Ob dieser Vorsprung für das Rückspiel ausreichen wird, wird sich zeigen müssen. Immerhin haben die Alstertalerinnen Heimvorteil, was sich bei ihrer aggressiven Spielweise sehr nachteilig für den VfL auswirken kann. Aber „Bangemachen“ ist für die Oldesloer Mädchen ja ein Fremdwort. Auch wenn sie sicher auf einen höheren Sieg vor eigenem Publikum gehofft hatten: Sie haben auch im Rückspiel in der Hansestadt ganz sicher eine gute Chance.

Beide Mannschaften begannen das Spiel reichlich nervös und hatten zahlreiche Abspielfehler und Fehlversuche. Schon in den ersten Minuten wurde deutlich, ein wie harter Brocken die Alstertalerinnen für den VfL werden würden. Der Hamburger Meister, fast durchweg mit hochgewachsenen kräftigen jungen Damen bestückt, ging in der Abwehr rigoros zur Sache, so daß es dem VfL schwer fiel, ein Rezept für erfolgversprechende Wurfversuche zu finden, und auch im Angriff scheute er massiven körperlichen Einsatz nicht.

So dauerte es bis zur fünften Minute, ehe die Oldesloerinnen endlich zu ihrem ersten Treffer kamen, nachdem Alstertal in der dritten und vierten Minute schon auf 2:0 davongezogen war. Andrea Güldenpfennig zeichnete sich mit einem verwandelten Siebenmeter verantwortlich.

Verwandelte Siebenmeter (Andrea Güldenpfennig 2 und Andrea Struppek) bescherten auch die nächsten drei VfL-Treffer bis zur 18. Minute, als die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer erstmals mit 4:3 in Führung gingen. Zuvor hatte Martina Pusch einen solchen Siebenmeter abgewehrt, während eine personelle Überzahl – die überharte Susanne Schween erhielt eine Zwei-Minuten-Strafe – dem VfL keinen Vorteil brachte.

Nach dem erneuten Ausgleich durch die Hamburgerinnen gelang Andrea Güldenpfennig in der 20. Minute endlich das erste Feldtor für den VfL. Es sollte im ersten Spielabschnitt auch das letzte bleiben, denn in dem nach wie vor hektischen Spiel fiel bis zum Seitenwechsel nur noch ein Treffer, den wiederum Andrea Güldenpfennig mit einem Siebenmeter erzielte.

Der erstmalige Zwei-Tore-Vorsprung weckte bei den VfL-Anhängern, die ihre Mannschaft lautstark unterstützten, die Hoffnung, in das Spiel ihrer Mannschaft würde nun Ruhe und Übersicht einkehren, aber eine solche positive Wende wollte selbst dann nicht eintreten, als Meike Schäfer zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff sogar auf 7:4 erhöhte.

Den Anschlußtreffer zum 7:5 beantwortete Andrea Güldenpfennig in der 28. Minute zwar postwendend mit dem 8:5, aber dann herrschte, was VfL-Tore anging, für eine Viertelstunde „Sendepause“. Obwohl die Hamburgerinnen zwischenzeitlich erneut mit einer Spielerin weniger auskommen mußten - Susanne Meier erhielt ebenfalls eine Zwei-Minuten-Strafe –, kämpften sie sich bis zur 41. Minute auf 8:8 heran, ehe in der 43. Minute Anja Müller einen Tempogegenstoß erfolgreich zum 9:8 abschloß.

Drei Minuten später scheiterte Andrea Struppek dann mit einem Siebenmeter an der ausgezeichneten Gästetorhüterin Kaltenstein, aber in der 47. Minute machte es Andrea Güldenpfennig mit einem verwandelten Siebenmeter dann besser. 10:8 stand es damit für den amtierenden Deutschen Meister und in den folgenden zwei Minuten bot sich noch ein paarmal die Möglichkeit, doch noch für ein beruhigendes Polster für das Rückspiel zu sorgen, aber da machten die Nerven der jungen Mädchen dann doch nicht mit.

Angesetzte Wurfversuche waren zu überhastet, als daß sie hätten Erfolg bringen können, und eine Minute vor dem Abschluß kamen die Hamburgerinnen dann noch auf 9:10 heran. In der Schlußminute konnte eine dritte Zeitstrafe gegen die Alstertalerinnen (wiederum Susanne Meier) dann auch nichts mehr bewirken, da sie erst 15 Sekunden vor dem Abpfiff erfolgte.

Auch wenn vielen Fans der Sieg des VfL sicher zu knapp ausgefallen ist – insbesondere wegen der mageren Ausbeute von nur vier Feldtoren – darf man der Mannschaft wieder ein uneingeschränktes Lob aussprechen. Sie hat gegen einen physisch deutlich überlegenen Gegner, der mit der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich war, mutig und bravourös gekämpft und schließlich auch einen Sieg errungen.

Dabei konnte die Deckungsarbeit der VfL-Abwehr ohne große Abstriche überzeugen, obwohl sie ständig Schwerstarbeit zu verrichten hatte. Immerhin verhinderte sie Gegentore aus der zweiten Reihe, die sonst zu den Spezialitäten der Hamburgerinnen gehören.

Der VfL-Angriff hatte, wie schon erwähnt, einen sehr schweren Stand. Aber, obwohl die Spielerinnen pausenlos abgeblockt und körperlich attackiert wurden, verloren sie doch nie den Mut. Für das Rückspiel wird man sich aber gerade in diesem Bereich beim VfL noch etwas einfallen lassen müssen. Vor allem wird Ulli Meyer einigen seiner Schützlinge – Antje Schütt, Susanne Paetz und Martina Ivens – raten müssen, sich durch die Härte der Gegenspielerinnen nicht zu überhasteten Wurfversuchen aus wenig aussichtsreichen Positionen verleiten zu lassen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.4.1980

 

Freitag, 2. Mai 1980
Jetzt geht es um die Wurst.

VfL-Mädchen steht schwerer Gang bevor. Schaffen die Oldesloerinnen bei TuS Alstertal wieder den Nordtitel?

(mth) Für die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe geht es morgen wieder einmal „um die Wurst“. In der Sporthalle Alstertal im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel steigt ab 19.30 Uhr das Rückspiel um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Meister der Hansestadt, TuS Alstertal. Das Hinspiel am letzten Sonntag in der Stormarnhalle hatten die Oldesloer Mädchen, amtierender Deutscher Meister und natürlich auch Titelverteidiger des Nordtitels, bekanntlich denkbar knapp mit 10:9 für sich entschieden.

Die Ausgangsposition für das Spiel ist dabei klar: Jeder Sieg und auch jedes Unentschieden würde den Schützlingen von Trainer Ulli Meyer zum erneuten Gewinn der Nordmeisterschaft reichen. Selbst eine Niederlage mit nur einem Tor Unterschied könnte den Oldesloer Mädchen noch reichen, vorausgesetzt, sie erzielen in Hamburg mehr als neun Tore, da bei einer Punkt-und Torgleichheit, ähnlich wie beim Europapokal der Fußballer, die auswärts geworfenen Tore den Ausschlag geben würden.

Aber soweit ist es natürlich noch lange nicht. Das Spiel vom letzten Sonntag ist allen Oldesloer Handballern noch frisch in Erinnerung und jedermann, der Zeuge dieses Spiels war, weiß, wie schwer die Aufgabe für Mannschaftsführerin Antje Schütt und ihre Kolleginnen werden wird. Schon in der Stormarner Kreisstadt bot der Hamburger Meister mit einer körperlich außergewöhnlich stabilen Truppe ein äußerst aggressives Spiel und man kann sich ausmalen, daß sie noch aufgeputschter auftreten, wenn sie die Unterstützung des eigenen Publikums im Rücken haben.

Auf jeden Fall werden sich die Oldesloerinnen für das Rückspiel insbesondere im Angriff etwas einfallen lassen müssen, denn nur vier Feldtore im letzten Spiel – die restlichen sechs Treffer fielen durch verwandelte Siebenmeter – waren doch eine magere Ausbeute, die kaum ein zweites Mal für eine Sieg oder auch nur ein Unentschieden ausreichen dürfte. Auf der anderen Seite hat die VfL-Mannschaft in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, daß sie sich bei starken Gegnern zu steigern weiß, und an der nötigen kämpferischen Moral fehlt es dem Team ohnehin nicht.

Außerdem sollte sie in das Spiel mit Ruhe und Gelassenheit hineingehen können. Schließlich hat sie in dieser Saison ohnehin schon wesentlich mehr erreicht, als man von ihr erwarten konnte. Ganz ohne Unterstützung, da sind wir ganz sicher, werden die Oldesloer Mädchen auch in Hamburg nicht sein. Die Mannschaft fährt wieder mit einem großen Reisebus zum Spiel und es besteht auch für Schlachtenbummler wieder eine Mitfahrgelegenheit. Abfahrt von der Stormarnhalle ist um 17.30 Uhr.

Einige Plätze sind dabei noch zu vergeben. Interessenten sollten sich möglichst umgehend bei Ulli Meyer melden.

Der Oldesloer Coach geht in das Rückspiel im übrigen nicht ganz ohne personelle Probleme. Seine zweite Torhüterin Kathrin Schäfer steht ihm wegen einer Klassenreise leider nicht zur Verfügung und zu allem Überfluß war Torhüterin Nr. 1, Martina Pusch, in der Woche erkrankt, wird allerdings glücklicherweise für das wichtige Spiel doch wieder zur Verfügung stehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.5.1980

 

Sonnabend, 3. Mai 1980
Nach begeisterndem Spiel. VfL-Mädchen auch wieder Nordmeister. Bei TuS Alstertal trumpften die Oldesloerinnen mächtig auf und siegten mit 19:15.

(mth) „Meine Mannschaft ist wirklich eine tolle Truppe!“ Diese stehende Redewendung von Ulli Meyer, Trainer der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe, wurde in der Sporthalle Alstertal im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel im zweiten Finale um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal wieder einmal voll unterstrichen. Nach dem knappen 10:9-Sieg im Hinspiel sechs Tage zuvor in der Stormarnhalle in Bad Oldesloe gab es im Umfeld des amtierenden Deutschen Meisters nicht wenige, die nicht mehr so recht an eine erfolgreiche Verteidigung des Nordtitels glauben wollten.

Die Hamburgerinnen hatten in Stormarn einen starken Eindruck hinterlassen, und man traute es ihnen bei ihrer robusten Spielweise schon zu, den Spieß im Heimspiel noch umzudrehen. Aber in einer solchen Annahme – und wir wollen ehrlicherweise eingestehen, daß auch wir dazu neigten – waren einige Fehleinschätzungen.

Die erste Fehleinschätzung war die Annahme, der VfL hätte ein Auswärtsspiel zu bestreiten. Topografisch war dieses zwar richtig, aber die Anhänger des VfL, die schätzungsweise 70 Prozent der knapp 200 Zuschauer stellten, verwandelten die Kulisse mit lautstarken Sprechchören in ein Heimspiel. Gravierender aber war wohl die Einstellung der Mannschaft. Mochten auch die Fans Respekt vor dem Gegner haben, die Spielerinnen selbst strotzten nur so vor Selbstvertrauen!

Der Mannschaft ist der Schneid einfach nicht abzukaufen. Die Hamburgerinnen gingen in eigener Halle womöglich noch härter als im Hinspiel zur Sache, aber Mannschaftsführerin Antje Schütt und ihre Kameradinnen ließen sich davon nicht beeindrucken. Sie wußten sich gegenüber dem Hinspiel um Klassen zu steigern, und landeten am Ende einen in der Höhe sensationellen 19:15-Erfolg, obwohl schon beim 8:8-Halbzeitstand abzusehen war, daß sich die Oldesloerinnen wegen der auswärts mehr erzielten Tore sogar eine Niederlage mit einem Tor Differenz hätten leisten können.

Mit diesem auch in dieser Höhe hochverdienten Sieg hat der VfL damit nach der Landesmeisterschaft auch den Nordtitel erfolgreich verteidigt, und, legt man die makellose Leistung zugrunde, darf man ihr auch in den nun folgenden Spielen um die Deutsche Meisterschaft – das nächste Spiel in der Vorschlußrunde ist voraussichtlich am 17. oder 18. Mai in Bad Oldesloe gegen Westmeister Oberlahnstein – wieder eine Menge zutrauen.

Aber nun zum Spielverlauf der Begegnung, der trotz des am Ende glatten Resultats an Spannung nicht zu wünschen übrig ließ. Beim VfL war diesmal von einer Anfangsnervosität nichts zu spüren. Die Mannschaft war sofort voll konzentriert bei der Sache und ging in der zweiten Minute durch Anja Müller auch mit 1:0 in Führung. Dem Ausgleich in der dritten Minute ließ Andrea Güldenpfennig, die einmal mehr kaum zu bremsen war, das 2:1 folgen.

Die folgenden fünf Minuten aber gehörten dann mehr den Hamburgerinnen, die wie schon im Spiel in Oldesloe ungemein hart zur Sache gingen. Bei einem Gegentor von Antje Schütt, gingen sie bis zur zehnten Minute mit 4:3 in Führung und der VfL konnte sich bei seiner Torhüterin Martina Pusch bedanken, die zwischenzeitlich einen Siebenmeter parierte, daß dieser Rückstand nicht höher ausfiel.

Dann aber war wieder Andrea Güldenpfennig an der Reihe. Mit zwei todsicher verwandelten Siebenmetern und einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß drehte sie bis zur 17. Minute bis zum 6:4 den Spieß um. Zeit, angesichts dieses Vorsprungs nun etwas Atem zu schöpfen, verblieb aber nicht. Die Alstertalerinnen warfen die Flinte noch lange nicht ins Korn. Bis zur 23. Minute hatten sie aus dem Rückstand eine 7:6-Führung gemacht und erst als ihre härteste Spielerin, Schween, danach mit einer Zwei-Minuten-Zeitstrafe belegt wurde, konnte Anja Müller zum 7:7 ausgleichen.

30 Sekunden vor dem Seitenwechsel gelang den Hamburgerinnen mit einem verwandelten Siebenmeter dann erneut eine Führung. aber die wenigen verbliebenen Sekunden nutzte Andrea Güldenpfennig mit einem Gewaltwurf aus der zweiten Reihe noch zum 8:8-Halbzeitstand aus. Dieser Treffer war von vorentscheidender Bedeutung, denn eine Halbzeitführung hätte den Gastgeberinnen leicht Oberwasser geben können, zumal sie nach der Pause Anwurf hatten.

So aber standen sie weiter unter Erfolgszwang, was sich in Nervosität ausdrückte, während der VfL weiterhin äußerst kühl agierte. Wie schon in der ersten Halbzeit erzielte auch im zweiten Durchgang Anja Müller (27. Minute) den ersten Treffer, vier Minuten später mußte sie für zwei Minuten auf die Strafbank.

Der VfL geriet dadurch nicht in Bedrängnis. Im Gegenteil: Andrea Güldenpfennig erhöhte sogar auf 10:8, ehe den Hamburgerinnen dann doch, als der VfL schon wieder vollzählig war, bis zur 34. Minute auf 10:10 ausgleichen konnte. In den folgenden Minuten stand das Spiel auf der Kippe. Dem 11:10 durch Andrea Güldenpfennig mit einem Siebenmeter folgte prompt der erneute Gleichstand und auch eine 13:11-Führung, die anschließend Anja Müller und Martina Ivens herauswarfen, war bis zur 40. Minute wieder egalisiert.

Alstertal war inzwischen dazu übergegangen, Andrea Güldenpfennig kurz zu decken, aber dieser vermeintliche „Rettungsanker“ konnte in den Schlußminuten einen wie entfesselt aufspielenden VfL nicht mehr stoppen. Die Spielentscheidung fiel dabei zwischen der 43. und 45. Minute. Zunächst mußte die überharte Schween erneut auf die Strafbank, dann warf Anja Müller das 14:13 heraus, anschließend hielt die glänzend disponierte Martina Pusch einen zweiten Siebenmeter und schließlich hatte Andrea Güldenpfennig auch bei ihrem vierten Siebenmeter starke Nerven, obwohl sie selbst gefoult worden war.

Mit zwei blitzsauberen Toren erhöhte Martina Ivens den Vorsprung auf 17:13 und in den beiden Schlußminuten fielen dann noch vier weitere Treffer. Toren von Susanne Ladwig, mit sechs Treffern erfolgreichste Spielerin ihrer Mannschaft, setzten Susanne Paetz und Antje Schütt noch zwei VfL-Treffer entgegen.

Den VfL-Mädchen gebührt für eine wirklich meisterliche Leistung ein Pauschallob. Alle Spielerinnen, neben den schon Erwähnten waren dieses noch Andrea Struppek, Meike Schäfer, Wiebke Rickert und Anja Bünger, während Auswechseltorhüterin Anke Petersen, die die verhinderte Kathrin Schäfer vertrat, nicht zum Einsatz kam, waren fit bis unter die Haarspitzen und kämpften mit nimmer müden Einsatz.

Besonders hervorgehoben zu werden verdienen dabei, ohne deswegen die anderen abwerten zu wollen, Andrea Güldenpfennig als achtfache Torschützin, die unermüdlich antreibende Anja Müller, Martina Ivens, die 40 Minuten auf ihren Einsatz warten mußte und dann ungeahnte Kräfte mobilisierte und Martina Pusch, der nie anzumerken war, daß sie fast die ganze Woche vor dem Spiel mit Fieber im Bett zugebracht hatte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.5.1980

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