Halbfinale - Norddeutsche Meisterschaft

Freitag, 3. April 1981

VfL-Mädchen greifen wieder nach Nordtitel. Niedersachsenmeister MTV Wolfenbüttel erster Gegner in der Stormarnhalle.

(mth) Am Sonntag um 10.30 Uhr ist es wieder soweit. Die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe, mit zwei Deutschen Meisterschaften, zwei Nordtiteln und vier Landesmeisterschaften in Reihenfolge zweifellos das Glanzstück des Stormarner Sports schlechthin, streckt wieder ihre Fühler nach der Norddeutschen Meisterschaft aus.

Im Hinspiel des Halbfinales treffen dabei die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer auf den Niedersachsenmeister MTV Wolfenbüttel. Auch in den beiden letzten Jahren hatten sich die Oldesloerinnen in dieser Runde mit den jeweiligen Meistern aus Niedersachsen auseinandersetzen müssen.

Die Erfahrungen, die die Stormarnerinnen dabei mit den besten Nachwuchsmannschaften aus dem Nachbar-Bundesland machten, waren dabei höchst unterschiedlich. 1979 war der TuS Bergen auf dem Weg zur Norddeutschen und später zur Deutschen Meisterschaft einer der härtesten Gegner. Der VfL, bei dem damals noch Andrea Hasenberg, Jeanette Müller und Renate Warncke den Ton angaben, hatte das Hinspiel in Bergen glatt für sich entschieden, mußte dann aber im Rückspiel bis zur Schlußsekunde darum bangen, diesen Vorsprung in der Stormarnhalle nicht gänzlich zu verspielen.

Im letzten Jahr dann war der TV Cloppenburg für die Oldesloerinnen um Anja Müller und Antje Schütt, um wiederum die herausragenden Spielerinnen zu nennen, die nach erfolgreicher Erringung der Titel auf Regional- und Bundesebene ausscheiden mußten, kaum mehr als ein Sparringspartner. Die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer gewannen beide Spiele souverän und hatten sich damit für die dann dramatisch verlaufenen Finalspiele gegen TuS Alstertal qualifiziert.

Von welchem Kaliber nun in diesem Jahr der MTV Wolfen büttel ist, wird spätestens am Sonntagmittag feststehen. Trainer Ulli Meyer, der die Wolfenbüttelerinnen vor 14 Tagen bei ihrem Niedersachsen-Endspiel beim VfL Oldenburg beobachtete, das mit einem 12:12-Unentschieden endete, nachdem zuvor der MTV in eigener Halle das Hinspiel klar für sich entschieden hatte, neigt dazu, die Wolfenbüttelerinnen eher mit der Mannschaft von TuS Bergen von vor zwei Jahren zu vergleichen. Auf ihn hat der Niedersachsenmeister einen ganz starken Eindruck hinterlassen, und er ist sich sicher, daß seine Mannschaft eine harte Nuß zu knacken hat, wenn wieder der Einzug in das Nordfinale gelingen soll.

Aber Ulli Meyer hat den Gegner schließlich studiert, und wir sind uns sicher, daß er sich für das Spiel am Sonntag etwas einfallen lassen wird. Dabei kann man getrost davon ausgehen, daß es dem VfL-Coach bei der Vorbereitung auf dieses Spiel nicht allein darauf ankommen wird, die Stärken des Gegners auszuschalten, sondern auch die eigenen Stärken hervorzukehren.

Der VfL hat schließlich keinen Grund, sich zu verstecken und nur zu reagieren statt zu agieren. Auch die VfL-Mannschaft des Jahres 1981 um Mannschaftsführerin Andrea Güldenpfennig, die ebenso wie Andrea Struppek, Susanne Paetz und Martina Pusch auch schon an den tollen Erfolgen in den beiden letzten Jahren dabei war, geht alles andere als aussichtslos in das Rennen um den Nordtitel. Immerhin hat die Truppe die ganze Saison in der schleswig-holsteinischen Oberliga, die in Fachkreisen als die stärkste Liga im weiblichen Handballnachwuchs im ganzen Bundesgebiet gilt, ohne Niederlage mit nur einem einzigen Verlustpunkt überstanden und damit ihre Vorgängerinnen, in dieser Beziehung sogar noch übertroffen.

Daraus nun allerdings den voreiligen Schluß zu ziehen, Nordtitel und anschließend die Deutsche Meisterschaft müßten nun logisch ohne viel Mühe folgen, wäre zumindest reichlich verfrüht und den Mädchen gegenüber ungerecht. Sie werden, da sind wir uns ganz sicher, wieder ihr Bestes geben und der Erfolg wird sich bei der Mannschaft um so eher einstellen, je weniger sie von den eigenen Anhängern unter Erfolgszwang gesetzt wird.

Bis auf Katja Schoppenhauer, die wegen der Verletzung aus dem Vorbereitungsspiel am Freitag letzter Woche beim MTV Elmshorn aussetzen muß, kann Trainer Ulli Meyer im Spiel gegen den MTV Wolfenbüttel, das die Zuschauer gewiß wieder in hellen Scharen in die Stormarnhalle locken wird, seine Stammformation aufbieten. Mit von der Partie werden also auch wieder Meike Schäfer und Anja Bünger sein, die in den letzten Meisterschaftsspielen wegen Verletzungen ausfielen, und auch Heike Büttner, die zuletzt einen guten Einstand in der Meisterschaft gab, gehört zum VfL-Aufgebot. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.4.1981

 

Sonntag, 5. April 1981

VfL-Mädchen haben für das Rückspiel noch alle Trümpfe in der Hand.

Vor rund 400 Zuschauern siegte der Deutsche Meister gegen den MTV Wolfenbüttel mit 16:13 nach hartem Kampf.

(mth) Die Chancen der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe, auch in diesem Jahr in das Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft einzuziehen, sind nach dem Hinspiel des Halbfinales gegen den Niedersachsenmeister MTV Wolfenbüttel in der Stormarnhalle nach wie vor ausgezeichnet. Durch einen 16:13-Erfolg über die Wolfenbüttlerinnen sicherten sich die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer einen Drei-Tore-Vorsprung für das Rückspiel am Ostersonnabend und dieser Vorsprung ist gewiß eine gute Basis für ein weiteres Vordringen in der Regionalmeisterschaft.

Ein hartes Stück Arbeit allerdings wird dabei auf die Mädchen um Mannschaftsführerin Andrea Güldenpfennig ganz gewiß noch zukommen, denn ein hartes Stück Arbeit hatten sie auch schon in der mit annähernd 400 Zuschauern besetzten Stormarnhalle zu bewältigen, ehe ihr Sieg feststand. Der Niedersachsenmeister war nämlich der erwartet starke Gegner, der dem VfL mächtig zusetzte und erst in der Schlußphase, als es konditionell bei ihm bergab ging, dem amtierenden Deutschen Meister einen entscheidenden Vorsprung überlassen mußte.

Die Begegnung war streckenweise an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten, so sehr wogte das Geschehen hin und her. Wenn es dennoch keine ausgesprochene Werbung für den Handballsport wurde, so lag das zum einen sicher an der verständlichen Nervosität der 16- bis 18jährigen jungen Mädchen in diesem wichtigen Spiel, zum anderen aber auch an der Leistung der beiden Schiedsrichter Lübcker und Richter (Lübeck), die keine glückliche Hand bewiesen und streckenweise das Spiel regelrecht zerpfiffen.

Insbesondere in der zweiten Halbzeit steigerten sie sich in eine wahre „Siebenmeterhysterie“, die dem Spiel wahrlich nicht gut tat. Insgesamt gaben die Unparteiischen 17 solcher Strafwürfe – sieben für den VfL, zehn für den MTV – ohne dabei allerdings letzte Konsequenz zu zeigen. Hätten sie die gleichen harten Maßstäbe im ganzen Spiel wie Mitte der zweiten Halbzeit angelegt, wäre wohl noch ein halbes oder gar ganzes Dutzend mehr Siebenmeter angebracht gewesen, aber dem ganzen Spiel hätte es sicher besser getan, wären viele der tatsächlichen gegebenen Strafwürfe unterblieben.

Die Wolfenbüttelerinnen hatten in der Begegnung den besseren Start und führten bis etwa zur zehnten Minute fast ständig mit einem Tor – über 1:0 und 2:1 bis zum 3:2, – ehe der VfL beim Stande von 4:3 erstmals selbst in Vorhand war. In Rückstand sollte der VfL nun im gesamten Spiel nicht mehr geraten, aber das konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand in der Stormarnhalle ahnen, denn die Niedersachsen blieben immer hart am Mann und gestatteten dem VfL bis zur Halbzeit nie mehr als höchstens ein Tor Vorsprung.

Nach dem Seitenwechsel beim Stand von 8:7 für den VfL, hatten wieder die Gäste den besseren Anfang, denn sie kamen durch einen verwandelten Siebenmeter zunächst auf 8:8 heran, nachdem zuvor Andrea Güldenpfennig bei einem Tempogegenstoß am Pfosten gescheitert war. Aber die große Zeit der VfL-Mannschaftsführerin, die, dieses Mißgeschick offenbar arg gewurmt hatte, kam dann noch. Mit zwei Treffern hintereinander brachte sie ihre Mannschaft zum 10:8 erstmalig mit zwei Treffern in Führung, und auch die folgenden beiden Gegentore beantwortete sie mit erfolgreichen Würfen, so daß der Zwei-Tore-Vorsprung bis zum 12:10 gewahrt blieb.

Aber noch gaben sich die Wolfenbüttelerinnen keineswegs geschlagen. Seit dem Treffer zum 11:9 befand man sich im übrigen schon in einer wahren „Siebenmeterorgie“, und darin hatten die Gäste nun vorübergehend die besseren Karten, denn sie konnten mit solchen Strafwürfen auf 12:12 ausgleichen. Ein weiterer Siebenmeter, nun aber für den VfL, führte durch Andrea Güldenpfennig zur 13:12-Führung der Oldesloerinnen, die dann anschließend ihre bessere Kondition in die Waagschale warfen und durch zwei Feldtore von Wiebke Rickert und Andrea Güldenpfennig auf 15:12 davonzogen.

Noch einmal die VfL-Mannschaftsführerin mit einem verwandelten Siebenmeter erhöhte die Führung zwei Minuten vor Schluß sogar auf 16:12, aber in der Schlußminute erhielten, weil es gerade so schön war, auch die Wolfenbüttelerinnen noch einen Strafwurf zugesprochen, der dann auch zum 16:13-Endstand verwandelt wurde.

Ein Endstand, der unter den VfL-Fans nach dem Schlußpfiff dann lebhafte Diskussionen auslöste, ob er wohl für das Rückspiel reichen wird. Die Meinungen gingen da sehr auseinander. Wir neigen dabei eigentlich ein wenig mehr den Optimisten zu, wohl wissend, daß dem amtierenden Deutschen Meister noch ein schwerer Gang bevorsteht. Aber die Mannschaft hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, daß sie auch auswärts mächtig auftrumpfen kann und mit drei oder mehr Toren Differenz haben die VfL-Mädchen schon lange nicht mehr und die Truppe dieses Jahres schon gar nicht verloren.

im Spiel gegen den MTV Wolfenbüttel war Andrea Güldenpfennig mit neun Treffern einmal mehr die erfolgreichste Torwerferin. Auf drei Treffer brachte es Wiebke Rickert, die ihr wohl bisher bestes Spiel im VfL-Trikot machte. Die restlichen Treffer steuerten Andrea Struppek und Anja Bünger (je 2) bei. Außerdem kamen noch Martina Pusch, die unter anderem zwei Siebenmeter abwehrte, Susanne Paetz, die in der Abwehr eine Glanzleistung bot und die anfänglich vorhandene Lücke auf der linken Deckungsseite schloß, Heinke Juds, Meike Schäfer und für einen Kurzeinsatz auch Heike Büttner zum Einsatz.

Die zweite Torhüterin Anke Petersen und Deike Eumann setzte Trainer Ulli Meyer in diesem Spiel nicht ein und auf Katja Schoppenhauer hatte er ja verzichten müssen.

Bei den Wolfenbüttelerinnen waren Bärbel Scharf, Cornelia Ringel und Sabine Fricke, die sich auch die meisten Treffer teilten, die herausragenden Kräfte. Auf sie wird auch im Rückspiel am Ostersonnabend das Hauptaugenmerk zu richten sein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.1981

Donnerstag, 16. April 1981

VfL-Mädchen wieder In das Nordfinale? Vor dem Rückspiel in Wolfenbüttel: Der VfL hat Respekt, aber keine Angst vor dem Gegner. Der Truppe von Trainer Ulli Meyer steht trotz des Drei-Tore-Vorsprungs ein harter Brocken ins Haus.

(mth) Schafft die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe zum dritten Mal in Reihenfolge den Einzug in die Finalspiele um die Norddeutsche Meisterschaft? Die von wohl allen Oldesloer Sportfreunden gestellten Frage wird am Ostersonnabend um 18 Uhr beantwortet sein, denn dann ist das Rückspiel des Halbfinales beim Niedersachsenmeister MTV Wolfenbüttel, das um 17 Uhr in der Halle an der Ravensberger Straße stattfindet, beendet.

Die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer gehen bekanntlich mit einem Drei-Tore-Vorsprung in die Partie in Wolfenbüttel und man ist beim amtierenden Deutschen Meister eigentlich ganz zuversichtlich, daß dieser Vorsprung ausreicht.

Sicherlich, alle Augenzeugen des Hinspiels am 5. April in der Stormarnhalle, haben sich beim erst in der Schlußphase des Spiels erkämpften 16:13-Sieg der Oldesloer Mädchen davon überzeugen können, daß dem VfL ein ganz dicker Brocken ins Haus steht. Der MTV Wolfenbüttel hinterließ in der Stormarner Kreisstadt einen glänzenden Eindruck, und ihm geht der Ruf voraus, in eigener Halle noch weit stärker auftrumpfen zu können.

So sicherten sich die Wolfenbüttelerinnen beispielsweise den Niedersachsentitel vor allem wegen ihrer Heimstärke. Mit einem 19:8-Erfolg über den VfL Oldenburg, 1978 Vorgänger der Stormarnerinnen als Norddeutscher und Deutscher Meister, legten sie in eigener Halle den Grundstock zum Titelgewinn, so daß sie sich im Rückspiel in Oldenburg mit einem 12:12-Unentschieden begnügen konnten.

Diese Ergebnisse machen deutlich, was den VfL am Sonnabend in Wolfenbüttel erwartet, Die Mannschaft um Andrea Güldenpfennig, die über das letzte Wochenende mit der Deutschen Jugend-Nationalmannschaft zu einem Drei-Länderturnier in Schweden weilte, und inzwischen mit einer Fülle neuer Eindrücke und Erfolge wohlbehalten nach Oldesloe zurückgekehrt ist, hat dennoch keinerlei Grund, bei allem gebotenen Respekt etwa ängstlich oder kleinmütig die Reise zum Niedersachsenmeister anzutreten.

Die Truppe und ihr Erfolgstrainer Ulli Meyer haben gewiß wichtige Rückschlüsse aus dem Hinspiel ziehen können – eine Position, die gleichermaßen natürlich auf für den Gegner gilt – und die in der ganzen Saison gezeigte Stärke auch und gerade in Auswärtsspielen, sollte der Mannschaft Rückhalt und Selbstvertrauen geben, auch in Wolfenbüttel, gewissermaßen der „Höhle des Löwen“, selbstbewußt aufzutreten.

Nun wollen wir die Erwartungen an die tollen Oldesloer Mädchen dabei keineswegs zu hoch schrauben. Gegen eine so starke Mannschaft, wie sie der MTV Wolfenbüttel besitzt, wäre auch ein Ausscheiden im Halbfinale um die Norddeutsche Meisterschaft keine Schande und könnte unsere Hochachtung für die auch in dieser Saison schon wieder erbrachte Leistung nicht im Entferntesten ankratzen.

Aber zu Pessimismus, wie er bei einigen Anhängern nach dem Hinspiel aufkam, weil diesen der Vorsprung von drei Toren nicht hoch genug erschien, besteht keinerlei Anlaß. Die Mannschaft hat schon ganz andere Aufgaben mit ihrer tollen Moral ohne viel Federlesens erledigt.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an das Finale um die Nordmeisterschaft im letzten Jahr gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal, als die Mannschaft nach einem Hinspielsieg mit „nur“ einem Tor Vorsprung von vielen schon abgeschrieben war, ehe sie alle Pessimisten mit einem tollen 19:16-Sieg In der Hansestadt Lügen strafte.

Sollte der VfL im übrigen das Spiel in Wolfenbüttel erfolgreich überstehen, ist eine Wiederauflage des letztjährigen Nordfinales sehr wahrscheinlich. Der Hamburger Meister TuS Alstertal gewann nämlich sein Hinspiel gegen den Bremer Vertreter TV Oyten sicher mit 15:9 und sollte keine Mühe haben, im Rückspiel diesen Vorsprung zu verteidigen.

Trainer Ulli Meyer wird für das Spiel in Wolfenbüttel aller Voraussicht nach die gleiche Besetzung wie im Hinspiel aufbieten können. Katja Schoppenhauer ist inzwischen zwar von ihrer Gehirnerschütterung, die sie sich in einem Vorbereitungsspiel zugezogen hatte, genesen, hat das Training aber noch nicht wieder aufnehmen können, und wird natürlich auch beim Niedersachsenmeister noch pausieren müssen.

Die Fahrt nach Wolfenbüttel, die am Sonnabend mit einem großen Reisebus um 11.30 Uhr an der Jugendherberge im Bürgerpark beginnt, aber wird sie schon wieder mitmachen können. Der Reisebus ist im übrigen ausgebucht. Schlachtenbummler, die die VfL-Mädchen zu ihrem schweren Spiel begleiten wollen, müssen sich um private Anreise bemühen. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.4.1981

Sonnabend, 18. April 1981

Die VfL-Mädchen sind wieder im Nordfinale. 13:11-Sieg in Wolfenbüttel. Alle Skeptiker überzeugt. Der Sieg der Truppe von Trainer Ulli Meyer war nie in Gefahr. Nun geht es wie 1980 gegen TuS Alstertal (Hamburg).

(mth) Nach dem 16:13-Hinspielsieg vor gut zwei Wochen in der Stormarnhalle in Bad Oldesloe im Halbfinale um die Norddeutsche Meisterschaft der weiblichen Handball-A-Jugend zwischen dem VfL Oldesloe (Titelverteidiger und amtierender Deutscher Meister) und Niedersachsenmeister MTV Wolfenbüttel hatte es im Kreis der Anhänger der Truppe von Trainer Ulli Meyer eine ganze Reihe von Skeptikern gegeben. Auf sie hatten die Mädchen aus Niedersachsen einen denkbar starken Eindruck hinterlassen, und da man der Heimstärke der Wolfenbüttlerinnen gehört hatte, fürchtete man um eine Fortsetzung der Erfolgsserie der VfL-Mädchen.

Wir selbst hatten für Pessimismus eigentlich keinen Anlaß gesehen, wohl wissend um die Stärken und Tugenden der VfL-Mädchen auch in dieser Saison, auch wenn ein Ausscheiden gegen einen gewiß starken Gegner durchaus mit ins Kalkül gezogen werden mußte.

Und die tolle Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Güldenpfennig hat den Optimismus, den wir vor dem Rückspiel am Ostersonnabend verbreiteten, voll gerechtfertigt. Mit 13:11 (7:5) entschieden die Oldesloerinnen auch das Rückspiel für sich, und der Sieg war dabei ungefährdeter, als es der Erfolg mit zwei Toren Differenz besagt, und insbesondere geriet die Truppe von Trainer Ulli Meyer nie in Gefahr, in der Addition beider Treffen jemals den Einzug in die beiden Finalspiele um die Norddeutsche Meisterschaft zu verpassen.

In diesem Finale kommt es zu einer Neuauflage des vorjährigen Endspieles gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal. Die AlstertaIerinnen, die schon das Hinspiel gegen TG Oyten (Bremen) mit 15:9 für sich entschieden hatten, gewannen am Donnerstag letzter Woche auch das Rückspiel mit 7:4. Das erste Finale wird bereits am Sonnabend um 17.15 Uhr in der Stormarnhalle steigen. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe des Nordtitels wird dann ein Wochenende später – ein genauer Spieltermin steht noch nicht fest – in der Hansestadt Hamburg fallen.

Doch zurück zum Halbfinale in Wolfenbüttel: Die Entscheidung über den Einzug des VfL in das Nordfinale fiel eigentlich schon in den ersten Minuten. Meike Schäfer schloß den ersten Angriff des Spiels mit einem Tor zur 1:0-Führung der Oldesloerinnen ab und Mannschaftsführerin Andrea Güldenpfennig, die sich nach ihren vielen Treffern im Hinspiel in Wolfenbüttel einer harten „Manndeckung“ durch Sabine Fricke erfreute, schaffte wenig später das 2:0. Zusammen mit dem 16:13-Sieg aus dem Hinspiel hatte der amtierende Deutsche Meister damit fünf Tore Vorsprung und Kenner der Mannschaft wußten nun, daß es schon mit dem Teufel zugehen müßte, wenn der VfL sich eine solche Ausgangsbasis noch hätte entreißen lassen. Gefahr. so hatten selbst die Optimisten kalkuliert, hätte den Stormarnerinnen nur noch dann drohen können, wenn dem MTV frühzeitig ein „Anknabbern“ des Hinspielvorsprungs gelungen wäre, was unter Umständen bei ihnen zu einem Spielrausch geführt hätte.

Aber auch so muß man den Wolfenbüttelerinnen bescheinigen, daß sie außerordentlich tapfer und engagiert gegen das drohende Ausscheiden angingen. Durch zwei Treffer in kurzer Folge kamen sie dann auch auf 2:2 heran, aber Andrea Güldenpfennig, die sich auch durch die kurze Deckung keine Fesseln anlegen ließ, stellte bald mit zwei bildschönen Toren – darunter ein Siebenmeter – den alten Abstand wieder her. Andrea war es auch, die nach dem erneuten Anschlußtreffer das 5:3 erzielte.

Der Gastgeber konnte dann anschließend zwar noch einmal auf 5:5 ausgleichen, dieses Zwischenergebnis war aber auch gleichzeitig ihr einziger Gleichstand – abgesehen vom 0:0 zu Beginn und vom zwischenzeitlichen 2:2 – bis zum Spielschluß. Heinke Juds, die mit einer erheblich stärkeren Leistung als im Hinspiel aufwartete, und Meike Schäfer machten bis zur Pause wieder einen Zwei-Tore-Vorsprung perfekt.

Ein Zwei-Tore-Vorsprung im übrigen, der in erster Linie auf eine hervorragende Abwehrleistung zurückzuführen war. Die VfL-Deckung nämlich vollbrachte Schwerstarbeit, zumal die beiden Schiedsrichter Stürmerfouls der kraftvollen Niedersachsen konsequent übersahen. Martina Pusch hatte an dieser guten Abwehrleistung im Tor auch schon ihren gehörigen Anteil, auch wenn sie, wie eigentlich stets, eine gewisse Anlaufphase benötigte.

Ihre ganz große Zeit allerdings sollte noch im zweiten Spielabschnitt folgen, als sie, zu einem Zeitpunkt, als ihre Mannschaftskameradin für einen längeren Zeitraum das gegnerische Tor beim Stande von 8:7 – ein Tor von Andrea Güldenpfennig und zwei Gegentore des MTV –nicht fanden. Da wehrte sie die tollsten Schüsse der aufopferungsvoll kämpfenden Wolfenbüttlerinnen gleich serienweise ab und brachte den Gegner schier zur Verzweiflung. So stark wie in Wolfenbüttel hat sie in dieser Saison sicher noch nicht gehalten, aber die nervenstarke Martina ist ja eigentlich stets dann besonders auf der Höhe, wenn viel auf dem Spiel steht.

Noch dem Tor von Andrea Güldenpfennig zum 9:7 war beim VfL, dem zuvor unverständlicherweise einige Treffer wegen angeblichen Übertritts der Werferinnen nicht anerkannt worden waren, der Bann endgültig gebrochen. Susanne Paetz, die nun immer mehr auftaute und zuvor schon mit zwei Pfostenwürfen Pech hatte, mit drei Toren und Heinke Juds mit einem Tor schraubten bei nur zwei Gegentreffern den Vorsprung auf 13:9, und erst In den beiden Schlußminuten, als beim VfL die Konzentration ein wenig nachließ, konnten die Niedersachsen das Endergebnis noch auf 11:13 mildern.

Der VfL, und das war vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel in Wolfenbüttel, verfügt auch in diesem Jahr wieder über eine Truppe mit außerordentlich hoher Moral und unglaublichen kämpferischen Fähigkeiten. Beide Eigenschaften waren von der Mannschaft im bisherigen Verlauf der Saison eigentlich noch nicht so hundertprozentig in Erscheinung getreten, was damit zusammenhängen mag, daß die Truppe den Landesmeistertitel wesentlich leichter als in den Vorjahren erobert hatte und nie so ganz bis zum Letzten gefordert worden war.

Jetzt, wo es darauf ankommt, zeigt die Mannschaft, daß sie auch in dieser Beziehung gegenüber ihren hervorragenden Vorgängerinnen kein Manko aufzuweisen hat. Spielerisch, das ist schon seit längerer Zeit klar, braucht sie ohnehin keine Vergleiche zu scheuen.

Wir jedenfalls halten die derzeitige Mannschaft von Trainer Ulli Meyer, zu der in Wolfenbüttel außer den schon genannten Spielerinnen noch Wiebke Rickert, Anja Bünger, Andrea Struppek, Deike Eumann, Heike Büttner und Anke Petersen gehörten, wobei die beiden letztgenannten ebenso wie die gerade von einer Gehirnerschütterung genesene Katja Schoppenhauer nicht zum Einsatz kamen, für fähig, auch noch weitere Großtaten zu vollbringen, ohne deshalb von ihr nun Wunderdinge zu erwarten und sie unter zu großen Erwartungsdruck setzen zu wollen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.4.1981

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